Ausstellungen

Rückblick

Vergangene Ausstellungen 2001–2003


Bleda y Rosa
Battlefields & Cities

22.11.2003–11.01.2004
 


Luis Camnitzer
Werke von 1966–2003

22.11.2003–11.01.2004
 


Accessoiremaximalismus
29.08.2003–09.11.2003


Asger Jorn
Retrospektive

17.05.2003–10.08.2003

Katalogcover
Katalogcover

Mit Werken von Alain Buffard, Boris Charmatz, Tracey Emin, Felix Gonzalez-Torres, Meg Stuart/Gary Hill, Valeska Gert, Rebecca Horn, La Ribot, Jennifer Lacey/Nadia Lauro, Peter Land, Sharon Lockhart, Hans Namuth/Jackson Pollock, Bruce Nauman, Arsen Savadov, Tino Sehgal, Meg Stuart/Magali Desbazeille u.a.

Open the curtain
Kunst und Tanz im Wechselspiel

12.04.2003–04.05.2003

„Open the curtain“ sucht mit Ausstellung und Live-Performances den Austausch zwischen tänzerischer und bildkünstlerischer Performance. In zeitgenössischen Ausdrucksformen sowohl des Tanzes als auch der bildenden Kunst werden Grenzen aufgebrochen. Vor diesem Hintergrund gibt „Open the curtain“ den Blick frei für den Prozess des Oszillierens beider Künste: Grenzen werden fließend, Formate und Medien lösen sich auf - ein neuer Ort entsteht und die Vorstellung beginnt. In der Sicht auf Körper, Bewegung, Raum und Zeit wird die Positionierung des Betrachters neu ins Spiel gebracht. Das Projekt, zu dem internationale Künstler eingeladen sind, entsteht in Zusammenarbeit mit der Dramaturgin und Kuratorin Susanne Traub.

Katalogcover
Katalogcover

SEE history 2003
Eine Sammlung wird ausgestellt

12.04.2003–April 2004

Kunst reagiert auf Kunst und vermittelt sich über die Art und Weise, wie die Werke zueinander und zum Betrachter stehen. Die Sammlung der Kunsthalle Kiel umfasst Werke aus sechs Jahrhunderten, wobei ein Schwerpunkt auf der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts liegt. Ihre Präsentation in SEE history 2003 wird die Geschichte der Sammlung reflektieren und ihren Facettenreichtum völlig neu aufzeigen. Dabei sollen nicht nur Spannungsverhältnisse zwischen Stilrichtungen einer Epoche herausgestellt werden, auch Gemälde unterschiedlicher Jahrhunderte werden durch gezielte Gegenüberstellungen in erhellende Beziehungen zueinander treten. SEE history 2003 ist eine Ausstellung über die Sammlung der Kunsthalle zu Kiel. Frisch restaurierte Werke werden ebenso zu sehen sein wie Neuerwerbungen und Leihgaben, die den Bestand punktuell erweitern. Darüber hinaus wird jedes Jahr die Sammlung neu positioniert, wobei aktuelle Zusammenhänge und zeitgenössische Strömungen in den Blick genommen werden. Ein solcher Umgang mit einer über die Jahrzehnte gewachsenen Sammlung wird als Beitrag zu einem allgemeinen Diskurs über das Sammlungswesen verstanden.


Stefan Moses
Die Monographie, Fotografie 1947 bis heute

01.03.2003–06.04.2003

Stefan Moses, 1928 in Schlesien geborgen, gehört zu den bedeutendsten deutschen Fotografen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Neben seinen Reportagen für Zeitschriften wie 'Revue', 'magnum' und 'Stern' machte er insbesondere durch freie Projekte, in denen er Konzept- und Lifefotografie zu einer charakteristischen Bildsprache verband, auf sich aufmerksam. Dem Porträt als fotografische Gattung und facettenreiches psychologisches Abbild der deutschen Gesellschaft blieb er bis heute treu. Seine großangelegten Bildzyklen spiegeln die soziale und kulturelle Entwicklung der Bundesrepublik wider. Insbesondere das Projekt 'Ostdeutsche Porträts' aus den Jahren 1989 und 1990 kann als wichtigste fotografische Arbeit über den Prozess der Wiedervereinigung angesehen werden. Sein gesamtes Bildwerk ist ein bedeutender Beitrag zu dem Phänomen der deutschen Identität. Moses' typologische Porträts führen die früheren systematischen Bildserien eines August Sander oder Irving Penn in der Hinterfragung gängiger Posen weiter. Die Liste der Porträtierten liest sich wie ein who is who der deutschsprachigen Geistes- und Kulturelite: Theodor W. Adorno, Ingeborg Bachmann, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Ernst Bloch, Heinrich Böll, Willy Brandt, Otto Dix, Marianne Hoppe, Günter Grass, Walter Jens, Thomas Mann, Gerhard Richter, Martin Walser und viele andere mehr. Vielfach ausgezeichnet, ausgestellt und publiziert, zählt dieses konstante, bis heute nicht abgeschlossene Bildwerk auch international zu den herausragenden Erscheinungen der deutschen Fotografie.

Katalogcover
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Katharina Grosse
Cool Puppen Ich wüsste jetzt nichts

14.12.2002–16.02.2003

Mit Katharina Grosse präsentiert die Kunsthalle zu Kiel eine wichtige Vertreterin der zeitgenössischen Malerei.  Die Malerei hat sich in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts erneut zu einem innovativen Experimentierfeld entwickelt. In diesem Umfeld beweist die Malerin Katharina Grosse faszinierende Entfaltungsmöglichkeiten einer autonomen Malerei. Die Künstlerin schafft mit ihren Werken Farbräume von ganz eigener Qualität und Stimmung. Der Betrachter betritt gleichsam einen Bildraum, der von der sinnlichen Wirkung der Farbe und ihrem erzählerischen Gehalt bestimmt wird. Katharina Grosse arbeitet mit Spritzpistole und Pinsel. Ihre Malgründe sind aufgespannte Leinwände, Aluminiumtafeln und großformatige Papierbahnen. Seit 1998 verfolgt Künstlerin darüber hinaus das Konzept einer temporären, ortsbezogenen Malerei, wobei der Ausstellungsraum zum plastischen Grund ihrer Bilder wird. Gesicherte räumliche Verhältnisse lösen sich unter den unruhigen aufgesprühten Farbschleiern auf. In ihrer schillernden manchmal sogar herausfordernden Buntheit und ihrem geradezu anarchischem Verzicht auf geordnete kompositorische Strukturen zeigen die gesprayten Wandarbeiten eine durchaus beabsichtigte Nähe zu Graffitis und üben eine stark emotionale, doch wohl kalkulierte Wirkung auf den Betrachter aus. Ein wesentliches Merkmal von Katharina Grosses Werk ist sein performativer Charakter. Das Sprühen ebenso wie das disziplinierte Auftragen der Farbe mit dem Pinsel erfordern bei den überdimensionalen Formaten, die die Künstlerin wählt, einen hohen körperlichen Einsatz. Seine Spuren bleiben in unterschiedlich transparenten Farbschichtungen und Farbverdichtungen, vor allem aber im nachvollziehbaren Farbauftrag sichtbar. Katharina Grosse, die heute in Berlin und Düsseldorf lebt, wurde 1961 in Freiburg im Breisgau geboren. Sie studierte von 1982 bis 1986 an der Kunstakademie Münster und von 1986 bis 1990 an der Kunstakademie Düsseldorf. Im Jahr 2000 wurde sie als Professorin für Malerei an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee berufen.

Nancy Spero vor einer ihrer Arbeiten
Nancy Spero vor einer ihrer Arbeiten

Nancy Spero
A continuous present

26.10.2002–8.12.2002

Nancy Spero zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Künstlern der letzten vier Jahrzehnte und gilt seit den siebziger Jahren als eine Ikone feministischer Kunst.  Die umfangreiche Werkschau in der Kunsthalle zu Kiel hat zwei Schwerpunkte: zum einen die War Series, jene bedeutende Folge von Gouachen, mit der Nancy Spero bei ihrer Rückkehr aus Paris auf den Vietnamkrieg reagiert; zum anderen Werke aus den vergangenen zehn Schaffensjahren, darunter die großen mehrteiligen Arbeiten Black and the Red III von 1994, Relay von 1997 und Speros jüngstes Hauptwerk Hours of the Night II aus dem Jahr 2001. Die seit den neunziger Jahren entstandenen Werke sind zum ersten Mal in einer Museumsschau in Deutschland zu sehen.  Nancy Spero beginnt ihr Werk als politisch engagierte figurative Künstlerin während der Vorherrschaft der abstrakten Kunst in den USA der sechziger Jahre. Abseits vom Mainstream der New Yorker Kunstwelt artikuliert Nancy Spero in eigenwilliger Bildsprache die für sie brennenden Themen: Protest gegen den Vietnamkrieg (War Series, 1966–70), Entfremdung von der Gesellschaft (Artaud-Zyklus, 1971–72) oder politische Gewalt gegenüber Frauen (Torture of Women, 1976). Die von ihr entwickelte gegenständliche Bildsprache zeigt eindringlich Zusammenhänge zwischen Zerstörung, Macht, Sexualität und Unbewusstem auf. Die Ausstellung der Kunsthalle zu Kiel macht nachvollziehbar, dass die Künstlerin in ihren Bildern politische Gesinnung fern aller plakativer Botschaften mit der Beobachtung tiefliegender menschlicher und emotionaler Kräfte und Schichten verbindet.

Im Rahmen der politisch-sozialen Bewegungen der siebziger Jahre in den USA und Europa erhält Spero entscheidende Impulse durch den Feminismus. Sie beschließt, sich in ihren Werken auf die Frau als Sujet zu konzentrieren. Sie entwickelt Rollbilder aus bemalten, bedruckten und collagierten Papierbahnen, die das Bild der Frau als Akteurin im Spiegel der unterschiedlichsten Kulturen und Epochen vor Augen führen. Speros Kunst geriet dabei nie in Gefahr, orthodox im Sinne einer begrenzten Reflexion der Geschlechtsidentität der Frau zu werden. So bedeuten ihre Werke einen Vorausgriff auf die neofigurative Kunst der achtziger Jahre, auf Formen grafischer Malerei oder die Schriftkunst beispielsweise eines Christopher Wool. In Ergänzung zu der emotionalen und politischen Dichte der Arbeiten aus den sechziger und siebziger Jahren erscheint ihr Werk innerhalb einer in globalen geografischen und historischen Zusammenhängen funktionierenden visuellen Kultur heute aktueller denn je.

Die Rezeption des Werkes von Spero setzte in Deutschland seit den achtziger Jahre mit Einzelausstellungen in München, Bonn, Berlin und Ulm ein. Die Einbeziehung auf der Documenta X (1997) festigte ihre internationale Bedeutung. Trotzdem ist Speros Werk obwohl immer hinreichend bekannt, oft unterschätzt. Zu dieser Situation mag die verringerte Bedeutung des Feminismus im Kunstbetrieb der neunziger Jahre beigetragen haben, sowie eine gewisse Distanzierung jüngerer Künstlergenerationen von dessen Inhalten und Strategien. Um so erfreulicher ist es, dass es der Kunsthalle zu Kiel gelungen ist, Nancy Spero eine repräsentative Ausstellung zu widmen, die ihre originäre künstlerische Position mit herausragenden Werkkomplexen aus den sechziger und neunziger Jahren würdigt.

Videoszene aus "Eight"
Videoszene aus "Eight"

Hubbard /Birchler
'Wild Walls'

24.08.2002–13.10.2002

Im Mittelpunkt der ersten großen Einzelausstellung von Teresa Hubbard und Alexander Birchler in Deutschland, die die Kunsthalle zu Kiel nach den Stationen Krefeld, Amsterdam und St. Gallen präsentiert, stehen zwei aktuelle Videoarbeiten der Künstler. Ausgehend von unauffälligen, alltäglichen Situationen erforschen die Filme mit ihrer am großen Kino orientierten Bildsprache den Blick des Betrachters und der Kamera selbst ... In dem Video 'Eight' beschreibt die Kamerabewegung einen Kreis zwischen einem kleinen Mädchen am Fenster und den Überresten einer verregneten Gartenparty im Freien. In Detached Building pendelt die Kamera zwischen dem Innen- und Außenraum einer Garage - zwischen einer jungen Frau und einer Band - hin und her. Beide Videos sind als kontinuierliche Bildfolgen konzipiert und bedienen sich der Technik der Wild Walls, beweglicher Kulissenwände, wie sie etwa Alfred Hitchcock für seine ununterbrochenen Kamerafahrten, u.a. in Cocktail für eine Leiche, einsetzte. Ein weiterer Fokus der Ausstellung liegt auf den von Hubbard und Birchler in den 90er Jahren entwickelten Fotoserien. Die wie Schnappschüsse wirkenden Bilder fallender Gegenstände reflektieren in konsequent durchdachten Inszenierungen den 'fruchtbaren Augenblick' der Fotografie. In anderen Bildern wird die 'Lochperspektive' der Kamera über ungewöhnliche Durchblicke durch Bücherregale oder Kleiderschränke thematisiert: Dem Blick werden kleine Ausschnitte eines unbekannten Alltagslebens freigegeben. Wieder rückt die Simulation eines narrativen Moments die Kunst in die Nähe des Films. Neben dem Film finden sich Rückgriffe auf Beobachter- und Erzählperspektiven aus der Kunst- und Literaturgeschichte, wie sie in den Werken von Marcel Duchamp, Edward Hopper oder Gustave Flaubert repräsentiert werden.

Klaus Kinski, Theaterszene
Klaus Kinski, Theaterszene

Zur Ausstellung ist ein Begleitbuch erschienen, das reichhaltiges Bildmaterial und fachkundige Beiträge zu allen Facetten des vielfältigen Künstlerlebens von Klaus Kinski enthält (dtv, 288 Seiten, 25,- EUR, ISBN 3-85498-127-9, in der Kunsthalle leider inzwischen vergriffen).

Klaus Kinski
Ich bin so wie ich bin

16.06.2002–18.08.2002

Klaus Kinski (18.10.1926–23.11.1991) gilt bis heute als eine der schillerndsten und spektakulärsten Persönlichkeiten der Theater- und Filmwelt: Exzessiv bis zur Schamlosigkeit, extrovertiert und hochbegabt, radikal bis zur Selbstzerstörung. Die Ausstellung visualisiert zunächst den jungen Theaterschauspieler und Rezitator. In umfassendem Briefmaterial kommt Kinski selbst zu Wort und gewährt damit einen Blick in seine Psyche und Wahrnehmung der Welt. Die Theaterfotografien und Porträts dieser frühen Jahre – von der Nebenrolle in Die Ratten 1946 über seinen Torquato Tasso 1956 bis zu seinem Scheitern und gleichzeitigen endgültigen Abschied von der Bühne mit der Jesus Christus Erlöser Tour 1971 – sind ein Beleg seiner außergewöhnlichen Bühnenpräsenz, transportieren die dichte Atmosphäre und Faszination, die er auf sein Publikum ausgeübt hat. Kinski besaß die Fähigkeit, in jeder Rolle den Bühnenraum mit seiner Person zu beleben und auszufüllen. Er war ein Phänomen seiner Zeit, ein 'Shooting Star' des Theaters, mit dem große Regisseure wie Fehling und Kortner gearbeitet haben.  Die Ausstellung folgt Kinskis Werdegang als Filmschauspieler von seinen Anfängen über die exzessive Zusammenarbeit mit Werner Herzog bis zu seinem letzten, selbst inszenierten Film Paganini 1989 und würdigt ihn als Springer zwischen den Filmgenres, u.a. vom Wallace-Film zum Italo- Western, aber fast immer als Inkarnation des Bösen und Verderbten, in den viel geschmähten B-Pictures auch als Held des schlechten Geschmacks.

Katalogcover
Katalogcover

Bjarne Melgaard
Interface to God

16.06.2002–18.08.2002

Melgaard zeigt in Kiel eine eigens für die Ausstellungsräume der Kunsthalle entworfene Rauminstallation sowie Gemälde, Zeichnungen und Videos. Der Ausstellungstitel 'Interface to God' entstammt einem gleichlautenden Musikstück des neuen Albums der Gruppe Thorns, die zu den führenden Black-Metal-Bands Norwegens zählt. Interface bedeutet 'Zwischengesicht', in der Computersprache Schnittstelle und bezeichnet die Grenzschicht zwischen physischer und virtueller Realität. Der Titel verweist auf die satanistische Welt des Black-Metal, wo Satan als sinistre, okkulte Kehrseite des göttlichen Prinzips waltet. Black-Metal hatte sich in den späten 1980er Jahren als norwegischer Sonderweg des inzwischen schon etablierten Heavy Metal entwickelt. Mehr als eine Musikrichtung ist Black-Metal eine Lebensform, die in krassem Gegensatz zur norwegischen Gesellschaft mit ihren christlichen und sozialdemokratischen Fundamenten steht. Unter Rückgriff auf heidnische und nationale Traditionen wird das Dunkle und Mystische, wird Satan als Symbol für Gesetzlosigkeit, individuelle Freiheit, Vitalität und Kreativität verehrt. Lange Haare, schwarze Kleidung, ein martialisches, bewaffnetes Auftreten und mythische Namen gehören ebenso zum Selbstdarstellungsrepertoire wie ritualisierte Bühnenshows, die Selbstverletzungen und Opferszenen einschließen können. Melgaards Auseinandersetzung mit Black-Metal ist weder die Erforschung eines sozialen Phänomens noch beschränkt sich seine Kunst auf die Gedanken- und Bildwelt dieser Szene. Vielmehr vermischt er sie vielfach mit den Symbolen und Codes diametral entgegenstehender subkultureller Zirkel wie der homophilen S/M-Szene. Deren Bilder und Zeichen sind Ausgangspunkt für existenzielle Themen, für die visuelle Auseinandersetzung mit Identitäten und deren kultureller Konstruktion, mit physischen und psychischen Extremsituationen. Ambivalent bleibt in Melgaards Werken der Grad seiner persönlichen Involvierung in die verschiedenen Gruppierungen ebenso wie der Verlauf der Grenze zwischen fiktiver Inszenierung und authentischer Äußerung. Seine Auseinandersetzung mit Gewalt, Sexualität und Tod, das Streben nach absoluter Gegenwärtigkeit und die aktionistische, die Grenze zum Leben verunklärende Grundhaltung erinnern an Antonin Artaud oder die Wiener Aktionisten. Jedoch hat Bjarne Melgaard eine individuelle Ausdrucksweise entwickelt, die ihn auch von anderen zeitgenössischen Grenzgängern unterscheidet.

Katalogcover
Katalogcover

Jesper Christiansen
Tinnitus Light

21.04.2002–09.06.2002

Jesper Christian (geboren 1955) debütierte Anfang der achtziger Jahre als Maler und zählt zu den wichtigsten Vertretern der jüngeren dänischen Malerei. Seine seriellen Bilder, deren Wurzeln in Dada und der konzeptuellen Malerei liegen, führen in undefinierbare oder labyrinthische Räume, in denen sich vertraute Figurationen und abstrakte Strukturen überlagern. Die Ausstellung konzentriert sich auf Jesper Christiansens Wordpaintings, die seit Beginn der neunziger Jahre entstanden sind und verschiedene Serien umfassen. Aus Wörtern – visuelles Material und sinnhafte Zeichen zugleich – entstehen imaginäre Landschaften. Innerhalb der langen Tradition der künstlerischen Auseinandersetzung mit Sprache gelingt Christiansen eine neue poetische wie vielschichtige Form der Zusammenführung von Wort und Bild. Die Ausstellung wanderte anschließend weiter nach Dänemark zum Kunstmuseet Trapholt und Bornholms Kunstmuseum.
 


Karl Schmidt-Rottluff
Ein Maler des 20. Jahrhunderts

20.01.2002–07.04.2002

Eine hochkarätige Retrospektive mit Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen von 1905 bis 1972 des Brücke-Künstlers Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976). Die Zeit der Brücke von 1905 bis 1913 bildet jedoch nur die erste, wenn auch in ihrer Weichenstellung entscheidende Phase des künstlerischen Wirkens von Schmidt-Rottluff. Auf Initiative des Museums am Ostwall in Dortmund und des Brücke-Museums Berlin, das aus seinen reichhaltigen Beständen den Hauptteil der Exponate stellt, ist in enger Zusammenarbeit mit der Kunsthalle zu Kiel und dem Museum der bildenden Künste Leipzig ein repräsentativer Überblick über das gesamte Werk Schmidt-Rottluffs zustande gekommen. Zahlreiche Museen, Galerien und Sammler des In- und Auslands haben für einen längeren Zeitraum hochkarätige Werke des Künstlers und seiner Zeitgenossen zur Verfügung gestellt. Der Umfang der Ausstellung, die sich über drei Stockwerke der Kunsthalle zu Kiel erstreckt, beträgt 80 Gemälde und etwa 70 Aquarelle und Zeichnungen, darüber hinaus 25 Arbeiten anderer Künstler, die diese Retrospektive mit besonderen Akzenten versehen.

Trotz vielfältiger Kontakte hat Karl Schmidt-Rottluff sein Werk mit Vorliebe in selbst gewählter Isolation erarbeitet. Diese Grundkonstitution befähigt ihn dazu, ein in sich stimmiges Gesamtœuvre zu schaffen, das sich erkennbar von dem seiner Weggefährten beispielsweise der Brücke absetzt. Dennoch ist immer auch die Auseinandersetzung mit der Kunst seiner Zeit erkennbar. Wie die Künstlerfreunde der Brücke zeigt Schmidt-Rottluff in seinem Frühwerk deutliche Einflüsse von Vincent van Gogh und setzt sich mit Werken des Kubismus und Futurismus sowie der Kunst der Naturvölker auseinander. Deshalb sind in die Ausstellungen drei ‚Zeitinseln' integriert, die solche Einflüsse veranschaulichen. Das Frühwerk zeigt die gemeinsamen Anfänge der Brücke-Gemeinschaft mit Beispielen von Fritz Bleyl, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein, aber auch der zeitweiligen Mitglieder Emil Nolde und Cuno Amiet. In der Berliner Zeit der Brücke wird die Ausweitung des Blicks und eine größere Experimentierfreude deutlich. Die internationale Kunst der Kubisten und Futuristen ist mit Beispielen von Pablo Picasso, Georges Braque und Umberto Boccioni vertreten und durch weitere Werke aus dem Brücke-Kreis wie etwa von Otto Mueller ergänzt.

Obwohl Karl Schmidt-Rottluff nie gegenstandslos gemalt hat, steht er den Abstrakten, die die Kunstszene nach 1945 dominieren, zwar kritisch, aber nicht so schroff ablehnend gegenüber wie Carl Hofer. So ist es interessant, Schmidt-Rottluffs Spätwerk, das sich durch Verknappung der Formen und nochmalige Intensivierung der Farben auszeichnet, mit seinen abstrahierenden Implikationen der Kunst des Informel gegenüber zu stellen: Werken von Willi Baumeister, Carl Buchheister, K.O. Götz, Hans Hartung, Gerhard Hoehme, Ernst Wilhelm Nay, Bernard Schultze, Emil Schumacher, Fred Thieler und Fritz Winter.


Polaritäten
Rolf-Gunter Dienst/ Peter Nagel

18.11.2001–06.01.2002

Peter Nagel ist in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden, Rolf-Gunter Dienst wird es 2002. An der Grenze beider Jubiläumsjahre widmet der Schleswig-Holsteinische Kunstverein in der Kunsthalle zu Kiel den beiden gebürtigen Kieler, die mit ihrem Werk und ihren Aktivitäten über Schleswig-Holstein hinaus bekannt sind, eine Doppelausstellung. Die Spannung der Ausstellung liegt in der Gegensätzlichkeit der künstlerischen Ansätze. Peter Nagel, 1965 Gründungsmitglied der Gruppe ZEBRA und Professor an der Kieler Muthesius Hochschule, malt realistisch, Rolf-Gunter Dienst, der lange Zeit auch als Kunstpublizist tätig war und jetzt Professor an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg ist, abstrakt. Die Ausstellung ist sowohl retrospektiv als auch perspektivisch angelegt, indem sie Etappen des künstlerischen Werdeganges ebenso wie Gemälde der neuesten Produktion zeigt. Anschließend ist sie im Kunstmuseum Bayreuth zu sehen.


funktional-fiktional
23.09.2001–11.11.2001

Architektur und Design, das Haus und sein Innenleben bilden die Bezugspunkte zahlreicher Werke der jüngeren Künstlergeneration. In der Ausstellung werden raumbezogene und dreidimensionale Werke gezeigt, die sich mit den technischen und dekorativen Gegebenheiten von Innenräumen auseinandersetzen oder auf diese anspielen; sie sind angelegt auf tatsächliche Nutzung oder als rein skulpturale Gebilde. Die Ausstellung richtet das Augenmerk vor allem auf den Gegensatz und das Wechselspiel zwischen funktionalem und fiktionalem Charakter der Werke, die pragmatische wie phantastische, gegenwartsnahe wie visionäre, kritische wie spielerische Momente im Umgang mit diesem Thema erkennen lassen. Zu sehen sind Arbeiten von acht internationalen KünstlerInnen: Rita McBride, Christoph Hinterhuber, Stefan Kern, Jim Lambie, Max Mohr, Flora Neuwirth, Joe Scanlan und die dänische Künstlergruppe N55.


UTOPIA
Die finnische Künstlergruppe ROR

22.07.2001–09.09.2001

Bedeutet technischer Fortschritt automatisch ein besseres Leben? Die Ausstellung lotet Chancen und Risiken des Utopiegedankens aus anhand Erzeugnissen freier und angewandter Kunst zwischen "high" und "low". Da gibt es eine Videoanimation, da spielt Christus gegen Shiva Tischfußball, da werden liebevoll Fernsehtestbilder und dergleichen zu textilen Wandbildern verarbeitet sowie Zierfischen im Aquarium ein menschliches Eigenheim angeboten...Die unterschiedlichen Artefakte sind durch ein kubisches, mit Pixel-Design versehenes Modulsystem verbunden. ROR ist eine Gruppe mit ständig wechselnden Mitgliedern, deren individuelle Arbeiten zu Gegenwartsphänomenen sich in Ausstellungen zu einem Gesamtkunstwerk vereinigen. Die Ausstellung war zuvor im Kiasma, Helsinki, zu sehen und wird anschließend im Skulpturen Hus, Stockholm, gezeigt. Sie begleitet in Kiel den Finnland-Schwerpunkt des diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festivals.


Daniel Richter
Billard um halbzehn

20.05.2001–08.07.2001

Der 1962 in Eutin geborene, in Hamburg und Berlin lebende Daniel Richter hat 1998 den begehrten Dix-Preis Gera erhalten. Mit Bildern, die als "Postpop-Patchwork" beschrieben wurden, nimmt Richter Innovatives auf, von der Graffiti-Kunst bis zur digitalen Multi-Media-Welt, aber auch Zitat berühmter zeitgenössischer Künstler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke oder Georg Baselitz. Daniel Richter, der in den achtziger Jahren Plattencover und Plakate für Punkbands entwarf, vergleicht seine Malerei selbst mit rhythmischer Hip-Hop-Musik. "Die Bilder, die Richter nach einem minutiösen Nahkampf vor der Leinwand hinterlässt, sind Schlachtfelder der Farben, Formen und Stile" (Ulrike Rüdiger, Kunstsammlung Gera). In Kiel wird Daniel Richter neueste Gemälde und Arbeiten auf Papier ausstellen, die zeigen, dass er sich im Bereich der Abstraktion ebenso zu Hause fühlt wie in der Figuration. Anschließend wird die Ausstellung im Museum der bildenden Künste in Leipzig gezeigt.


Strategien
Fotokunst der 90er Jahre

18.03.2001–13.05.2001

Seit ihrer Gründung 1995 hat die Fondazione Sandretto Re Rebaudengo per l'Arte in Turin eine der profundesten Sammlungen internationaler Fotokunst zusammengetragen. Die Auswahl für die Ausstellungstournee gibt einen Überblick über die wichtigsten künstlerischen Positionen der letzten 20 Jahre. Darunter sind Künstler, von denen bereits Werke in der Kunsthalle ausgestellt waren, wie Nobuyoshi Araki, Thomas Demand, Esko Männikkö, Cindy Sherman und Wolfgang Tillmans, sowie weitere international bedeutende Fotokünstler, darunter Matthew Berney, Zoe Leonhard, Sharon Lockhart, Shirin Neshat, Thomas Ruff und Georgina Starr. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit den Museen Rupertinum Salzburg und Museion Bozen.