Ausstellungen

Rückblick

Vergangene Ausstellungen 2008–2009


Jürgen Partenheimer
Xenia

19. November 2009 – 31. Januar 2010

Das Konzept der Ausstellung „Xenia“ von Jürgen Partenheimer in der Reihe „Zeitgenössische Kunst in der Antikensammlung“ der Kunsthalle zu Kiel thematisiert den Begriff der „Mimesis“ als Bild künstlerischer Identität und Haltung. „Das Thema behandelt die Sichtbarwerdung von Imaginiertem oder Empfundenen in der Vergegenwärtigung durch Erinnerung und bewusste Reflexion. Geschichte und Gegenwart, die Erschließung der Welt als Stoff der Kunst im antiken Weltbild sowie im zeitgenössischen Denken und Handeln stehen als gemeinsame Formulierung von Vorstellung und Wirklichkeit in zeitlosem Dialog.“, so der Künstler über sein Konzept. Die Ausstellung in der Antikensammlung schafft Korrespondenzen auf ganz unterschiedlichen Ebenen: auf der Ebene abstrakter Geometrien und Raumlinien, auf der Ebene gattungsübergreifender Wahrnehmung und der Ebene von Original und Abbild. Dabei zeigt sich, dass Korrespondenzen epochenübergreifend funktionieren. „Die Originale und Kopien der Antikensammlung diskutieren eine Form der Anschauung, der die zeitgenössische Kunst antwortet, indem sie die Begriffe bei sich selbst überprüft“, sagt Jürgen Partenheimer: „Das Zeitgenössische setzt sich in Beziehung zur Sammlung und bewahrt gleichzeitig seine Unabhängigkeit.“ In Annäherung an die Ausstellung bedeutet das: Die Markierung der Räume in der Antikensammlung, das Nebeneinander des Fremden im Ähnlichen – des Historischen neben dem Zeitgenössischen  –  schärft das Bewusstsein für unterschiedliche Ausdrucksformen verwandter Inhalte, erzeugt Energien vergleichender Wahrnehmung und erörtert die erlebbaren Räume und das Raumwissen der Kunst.


Carte Futuriste
100 Jahre italienischer Futurismus

13. November  – 13. Dezember 2009

Carte Futuriste – 100 Jahre italienischer Futurismus, lautet der Titel der Ausstellung, die im Jahr des hundertjährigen Jubiläums der Kunsthalle zu Kiel am Düsternbrooker Weg eröffnet wird. Das Jahr 1909 ist ein wichtiges Datum innerhalb der Geschichte der Kunsthalle. 1909 wurde der neobarocke Neubau im Beisein der Kaiserin, der Prinzessin Viktoria sowie der Prinzen Adalbert und Joachim eröffnet. Bis heute steht die Kunsthalle für eine fruchtbare Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne im Zeichen der Innovation. Das Jahr 1909 ist aber auch das Geburtsjahr des italienischen Futurismus. Veröffentlichte doch der Dichter Filippo Tommaso Marinetti am 20. Februar 1909 im Pariser Figaro das Futuristische Manifest und initiierte damit den Futurismus. Die Bewegung entwickelte sich zur bedeutendsten italienischen Kunstströmung des 20. Jahrhunderts und wurde international rezipiert. Die Futuristen arbeiteten gattungsübergreifend und erprobten sich in vielen Kunstformen, von der Malerei über die Bildhauerei bis hin zur Literatur, ließen aber auch Musik, Architektur, Tanz, Fotografie, Film und Gastronomie nicht aus. Geschwindigkeit, Dynamik, Technologie und Gewalt wurden zu Hauptthemen der Bewegung erklärt. Das Auto, das Flugzeug und die Lebenswelt der industriell geprägten Großstadt standen im Fokus dieser Kunstrichtung, die die Vollkommenheit des Menschen und den Triumph der Technologie über die Natur in den Mittelpunkt des Kunstschaffens stellte.


Cocker Spaniel and Other Tools for International Understanding
26. Oktober 2009 – 10. Januar 2010

Mit vertrauensvollem Blick, langen Hängeohren und glänzender Lockenpracht ist der Cocker Spaniel gleichermaßen zum intimen Freund der Familie wie zum ambivalenten Medium der Ersatzkommunikation geworden. Seine Erfolgsgeschichte als Kuscheltier, das in idealer Weise Wünsche nach Partnerschaft und Zärtlichkeit erfüllt, überdeckt seine Herkunft und seine komplexe Bedeutung für den Menschen als Zucht-, Jagd- und Arbeitstier. So dient der Cocker Spaniel nicht nur als »King Charles Spaniel« der Noblesse, sondern spürt auch an kubanischen Flughäfen Drogen im Gepäck von Passagieren auf. Der Name »Spaniel« leitet sich unter anderem aus dem altfranzösischen »Espaigneul« ab, ein Wort für gedemütigte, ehrlose Menschen, das auf eine jahrhundertealte imperialistische Geschichte verweist. Deutungen, die man nicht erwartet und die ein gebrochenes Glück in einer postkolonialistischen Gegenwart erahnen lassen. Die Ausstellung wird am Beispiel des Hundemotivs zeigen, in welch ironischer, kritischer, aber auch subtiler Weise die zeitgenössischen Künstler mit kulturübergreifenden Symbolen scheinbar »blinden Verstehens« umgehen.

In der Ausstellung vertreten sind: Cosima von Bonin, Martin Eder, David Hockney, Jörg Immendorff, Anna Jermolaewa, Jeff Koons, Annika Larsson, Martin Parr, Bojan Šarčević, William Wegmann u.a.

Eine Kooperation mit der Ursula Blickle Stiftung
 


Steppin’out
Glanzstücke der Sammlung neu entdeckt

1. Oktober 2009 – 10. Januar 2010

Dirk Luckow kuratiert seine Abschiedsausstellung. Mit einer kuratorischen Hommage an die Fördestadt verabschiedet sich Dirk Luckow von der Kunsthalle zu Kiel, der er in den sieben Jahren seines Wirkens durch unverwechselbare Ausstellungskonzepte zu einer überregionalen Ausstrahlung verhalf. Bevor der 50-jährige Museumsdirektor die Hamburger Deichtorhallen (Haus der Photografie, Halle für aktuelle Kunst) am 1. Oktober als Intendant übernimmt, ist er noch einmal ins Depot der Kunsthalle zu Kiel hinabgestiegen. Zum Abschied zeigt er das, was viele auch immer sehen wollten und er sich bis zum Ende aufsparte: norddeutsche Küstenlandschaften und Seestücke, intime Interieurs, symbolistische Frauenbilder und nordisch-spröde Frauenzimmer sowie erlesenes Fleckvieh.

In den zwölf Ausstellungskabinetten werden Glanzstücke der Kieler Sammlung gezeigt: vom 17. Jahrhundert über den Klassizismus zum Politischen Realismus des 19. Jahrhunderts - der nun mit Positionen der Gegenwart konfrontiert wird. Andere Räume werden zu Studienkabinetten für die spezifisch nordische Spielart des Impressionismus, Pointillismus und Expressionismus. Herausragende Werke des Abstrakten Expressionismus und der Pop Art, der Neuen Figuration und gegenständlichen Skulptur zeigen das breite Spektrum der Kieler Sammlung und die Lebendigkeit der nordischen Kunstszene im historischen Kontext.

Die Ausstellung „Steppin’ Out. Glanzstücke der Sammlung NEU ENTDECKT“ ist nicht nur ein Dank an die Treue der Besucher, das Engagement des Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins und Mitarbeiter des Hauses, sondern auch eine Verneigung vor dem Stifterkreis, den Mäzenen und zahlreichen Förderern aus Wirtschaft und Politik, die durch ihr finanzielles Engagement Neuerwerbungen von hoher Qualität und Internationalität erlaubt haben und damit die Integration herausragender Werke von zeitgenössischen Künstlern wie Hans Peter Feldmann, Isa Genzken, Sven Johne, Stefan Kern, Erik van Lieshout, Neo Rauch, Andreas Slominsky und Florian Slotawa in die Kieler Sammlung ermöglichten. Die Ausstellung „Steppin’ Out“ zeigt vor allem auch das hohe Maß an Sinnlichkeit und Noblesse, die die Kieler Sammlung seit den 150 Jahren ihres Bestehens kennzeichnet und die durch die Unabhängigkeit ihrer Direktoren stets das Regionale mit dem Internationalen verband und damit die Kunst des Nordens zu einer unverwechselbaren Marke machte.

Jürgen Ovens, Herzog Christian Albrecht, 1665, Kunsthalle zu Kiel
Jürgen Ovens, Herzog Christian Albrecht, 1665, Kunsthalle zu Kiel

Privatissimo
Werke aus Schleswig-Holsteinischem Adelsbesitz

21. Juni  – 30. August 2009

Im Mittelpunkt der Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum der heutigen Kunsthalle zu Kiel stehen die schleswig-holsteinischen Adelsfamilien als Kunstmäzene und Kunstsammler. Der schleswig-holsteinische Adel hat – neben Professoren der Christian-Albrechts-Universität, Kaufleuten und Künstlern – die Geschicke des Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins und der Kunsthalle von den Anfängen bis weit ins 20. Jahrhundert mitbestimmt. Er stellte mit der Gründung der ersten Kunsthalle im Jahr 1854 jedes fünfte Vereinsmitglied. Zahlreiche Mitglieder adeliger Familien übergaben der Kunsthalle zu Kiel Kunstwerke als Schenkung, Vermächtnis oder Ankauf. Vieles, was sich in den Schlössern, Gütern, Klöstern oder im Privatbesitz des schleswig-holsteinischen Adels im Laufe der Jahrhunderte an Kunstschätzen angesammelt hat, ist der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Die Kunsthalle zu Kiel hat sich zum Ziel gesetzt, diese Kunstschätze im Rahmen einer sinnlich ansprechenden wie historisch dokumentierenden Ausstellung zugänglich zu machen.

Die Ausstellung Privatissimo steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein Peter Harry Carstensen.
Gefördert durch die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein

Tal R, Adieu interessant (purple), 2005 – 2008, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Photo: Jochen Littkemann, Berlin
Tal R, Adieu interessant (purple), 2005 – 2008, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Photo: Jochen Littkemann, Berlin

Tal R
You laugh an ugly laugh

5. April - 7. Juni 2009

Tal R wechselt von Projekt zu Projekt sein Medium. Geformt aus Materialien des Undergrounds – Comics, Graffiti, Musik – materialisieren sich die naiven, aber selbstbewussten Sujets in farbenfrohen und explodierenden Gemälden, Collagen und Installationen. Tal R beschreibt seine Werke selbst als „Kolbojnik“, ein im Kibbuz-Slang verwendetes Wort für „Abfalleimer“, in dem man auch gesellschaftlichen Müll entsorgen kann: „Wir sind sowieso nichts als kleine Stückchen im großen Ganzen“, philosophiert Tal R über die Gesellschaft und das Individuum im Allgemeinen: „neunzig Prozent unserer Persönlichkeit werden durch Dinge bestimmt, die andere in uns hineinstopfen.“ Die Kunsthalle zu Kiel gibt einen monografischen Überblick über das Werk des 1967 in Tel Aviv geborenen Künstlers.

Arnold Böcklin, Der Abenteurer, 1882,Kunsthalle Bremen, Der Kunstverein in Bremen
Arnold Böcklin, Der Abenteurer, 1882,Kunsthalle Bremen, Der Kunstverein in Bremen

Noble Gäste
Meisterwerke der Kunsthalle Bremen in der Kunsthalle zu Kiel

20. Dezember 2008 – 17. April  2011

Wie andere deutsche Museen sind die Kunsthallen in Bremen und Kiel aus den Aktivitäten eines Kunstvereins hervorgegangen. Der Bremer Museumsbau wurde 1849 errichtet, Kiel erhielt seine erste Kunsthalle 1857. Innerhalb eines Jahrzehnts war Kiel im Besitz von Gemälden von Georg Friedrich Kersting, Joseph Anton Koch, Johan Christian Dahl und Moritz von Schwind. Nun baut Bremen um. Und die Bremer Sammlung geht auf Reisen. In den nächsten zwei Jahren ist sie in neunzehn deutschen Museen zu sehen. Noch vor dem Weihnachtsfest zieht sie mit bedeutenden Werken in die Kunsthalle zu Kiel ein. Diese noblen Gäste zu beherbergen, bereitet Vergnügen und macht spannende Korrespondenzen mit der Kieler Sammlung möglich. Die Bremer Kollektion – mit Werken von Arnold Böcklin oder Wilhelm Leibl – bringt den Kieler Bestand mit bedeutenden Wegbereitern der Moderne ins Gespräch. Das Kieler Publikum darf gespannt sein. Denn raffinierte Historienbilder, feinste Porträts und exquisite Landschaften von u.a. den Nazarenern Friedrich Overbeck und Julius Schnorr von Carolsfeld oder dem Leibl-Kreis mit Hans Thoma oder Wilhelm Leibl selbst gruppieren sich nun um die bekannten Kieler Meisterwerke. Anselm Feuerbach, Ferdinand Georg Waldmüller und Ludwig Richter runden das wertvolle Bremer Gemälde-Ensemble mit weiteren Schlüsselwerken ab.

Katalogcover
Katalogcover

Teilnehmende Künstler: Giovanni Anselmo, Joseph Beuys, Bill Bollinger, Carol Bove, Martin Boyce, Candice Breitz, Luis Camnitzer, Anthony Caro, César, John Chamberlain, Lygia Clark, Constant, Richard Deacon, Jürgen Drescher, Wang Du, Marcel Duchamp, Aleana Egan, Olafur Elisasson, Hans-Peter Feldmann, Lucio Fontana, Günther Förg, Julio González, Antony Gormley, Subodh Gupta, Mona Hatoum, Geoffrey Hendricks, Jörg Immendorff, Jasper Johns, Donald Judd, Anish Kapoor, Stefan Kern, Alexander Laner, Bertrand Lavier, Mark Leckey, Heinz Mack, Mark Manders, Kris Martin, Jonathan Monk, Robert Morris, Bruce Nauman, Tim Noble & Sue Webster, Claas Oldenburg, Lygia Pape, Thomas Rentmeister, Michael Sailstorfer, Thomas Schütte, Richard Serra, Steven Shearer, Monika Sosnowska, Frank Stella, Jean Tinguely, Tatiana Trouvé, Günther Uecker, Henk Visch, Sonja Vordermaier, Thomas Zipp,  Sung-Hyung Cho (Film), Peter Hutton (Film)

In Kooperation mit der Nordmetall-Stiftung.

Heavy Metal
Die unerklärbare Leichtigkeit eines Materials

7. Dezember 2008 – 22. März 2009

Die Kunsthalle zu Kiel zeigt Schlüsselpositionen der Skulptur seit 1960. Aufbruch in frühen 1960er Jahren: Getragen von der Rebellion gegen eine Moderne, deren Zukunftsoptimismus unglaubwürdig geworden, formieren sich die revolutionären Avantgarden. Angesichts atomarer Bedrohung und der Eskalation des Vietnamkriegs sollen die starren gesellschaftlichen Normen zu Fall gebracht werden. In den Kunstzentren von Europa, den USA und Lateinamerika werden radikale Ansprüche an die künstlerische Freiheit artikuliert. Minimalismus, Fluxus, Happening und Pop Art – neue Kunstrichtungen entstehen und wenden sich gegen die bisher dominierende Malerei und den Formalismus. Auch die moderne Skulptur gerät auf den Prüfstand.  Nun passiert das Paradoxe: Das konservative Genre der Skulptur wird zu einem neuen, unverbrauchten Ausgangspunkt der künstlerischen Avantgarden. Auf der Suche nach einem widerständigen Medium erhält das METALL in all seinen unterschiedlichen Legierungen eine unerwartete Aufwertung. Es scheint elementar, roh, stark und robust genug zu sein, um die revolutionären Energien aufzunehmen. Die Entdeckung des schweren Metalls – des Heavy Metal – muss für die Künstler wie eine Befreiung gewirkt haben.  Die schwergewichtige Ausstellung in Kiel nimmt die skulpturalen Erneuerungen anhand von 50 Schlüsselpositionen der vergangenen 50 Jahre in den Blick und zeigt, wie das schwere Material leicht, eigenwillig und subversiv wurde. Die Beschränkung auf „ein“ Material als spezifisches Medium künstlerischer Arbeit ermöglicht es, die Denkmuster zeitgenössischer Skulptur in ihrer epochalen Qualität zu verdeutlichen. „Heavy Metall“ steht dabei nicht nur für das Material Metall, sondern auch symbolisch für eine Irritation der Welt des Betrachters.

Katalogcover
Katalogcover

Die Ausstellung Tim Eitel. Die Bewohner ist eine Kooperation mit der Kunsthalle Tübingen und den Kunsthallen Brandts in Odense, Dänemark. In Kiel konnte sie durch die großzügige Förderung der HSH Nordbank realisiert werden.

Tim Eitel
Die Bewohner

20. September  – 16. November 2008

Die Ausstellung des 1971 geborenen Künstlers Tim Eitel, der heute in New York und Berlin lebt, zeigt 44 Gemälde aus den vergangenen vier Jahren. Sie bietet einen umfassenden Überblick über seine aktuelle künstlerische Entwicklung.  Tim Eitel gilt als einer der prominentesten Vertreter der Neuen Leipziger Schule. Nach seinem Studium als Meisterschüler bei Arno Rink wurde Eitel schnell zu einer der wichtigsten Stimmen seiner Generation und avancierte insbesondere auf dem US-amerikanischen Markt zum erfolgreichen Newcomer. In seinen oftmals auf fotografischen Vorlagen basierenden Darstellungen finden sich der klassische Realismus ebenso wieder wie Einflüsse aus der Romantik.  In seiner Malerei fokussiert Tim Eitel Erscheinungsformen der zeitgenössischen Zivilisation, in der er die Einsamkeit und Verlorenheit, die Ziellosigkeit und Fragwürdigkeit der Figuren und ihre Handlungen aufspürt. Die aus dem Alltag entlehnten Motive entwickeln, übersetzt in Eitels strenge Bildkonstruktionen, eine ambivalente, offene und zugleich abweisende Atmosphäre. Forciert durch die zurückgenommene Farbigkeit wird der Betrachter in kritischer Distanz zum Bild gehalten. So findet er die Gelegenheit, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.  Der Mensch steht in Tim Eitels Bildern im besonderen Blickpunkt. Alltagssituationen und die reduzierten Gesten der Dargestellten werden auf eine Bühne – in der Spannung zwischen abstrakter Flächigkeit und figurativer Plastizität – gehoben. Innen- wie Außenräume strahlen Leere und Anonymität aus. Tim Eitel fängt in seinen Bildern den flüchtigen Moment ein. Auffallend an den neuen Werken ist die reduzierte Palette, die neben Motivwahl und Lichtsetzung den Aspekt der Unheimlichkeit, kennzeichnend schon für seine früheren Arbeiten, verstärkt. Nuancenreich werden die geheimnisvollen Szenen in eine Atmosphäre der Verschleierung, letztlich in die Malerei selbst, getaucht.

Tim Eitel sieht die Entstehungsphase seiner Werke als Klärungsprozess einer langen Assoziationskette. Er verarbeitet das Zeitgeschehen aus der Alltagswelt, gewinnt Eindrücke aus Print- und Filmmedien und zieht zudem prominente Vorbilder aus der Kunstgeschichte, wie zum Beispiel Édouard Manet, Jeff Wall oder Arnold Böcklin, heran.

Harald Giersing, To kvinder (Zwei Frauen), 1922,  statens museum for kunst, Kopenhagen, Foto: SMK Foto
Harald Giersing, To kvinder (Zwei Frauen), 1922, statens museum for kunst, Kopenhagen, Foto: SMK Foto

Zur Ausstellung von Harald Giersing erscheint ein 104 Seiten umfassender, reich illustrierter Katalog mit Texten von Harald Giersing, Gunda Luyken, Erik Steffensen und Wiebke Steinmetz. Die Publikation ist die erste Veröffentlichung über den Künstler in deutscher Sprache. Die Ausstellung findet im Rahmen und mit großzügiger Unterstützung der Dänischen Kulturwoche Schleswig 2008 statt.

Harald Giersing
Protagonist der dänischen Avantgarde

20. September – 23. November 2008

Harald Giersing (1881–1927) ist einer der bedeutendsten dänischen Maler der klassischen Moderne. Seine Werke zeichnen sich durch eine kühne, malerische Auffassung und eine eigenwillige Farbgebung aus. Während seines Parisaufenthaltes im Jahr 1906 kommt er mit Gemälden von Paul Cézanne, Henri Matisse und Paul Gauguin in Berührung. Diese Begegnung markiert den Wendepunkt im Schaffen Giersings. Fortan löst er sich von seiner akademischen Ausbildung und gestaltet nach seiner Rückkehr eigenwillige Landschaftsdarstellungen sowie Porträts seiner Künstlerfreunde und Verwandten. Der Farbe Schwarz kommt in vielen seiner Gemälde eine besondere Bedeutung zu. Giersings Farbexperimente schließen auch den Farbauftrag mit ein, der zwischen dick, mit Spachtel aufgetragen oder aber extrem sparsam, auf ungrundiertem Malgrund schwankt. Häufig setzt der Künstler schwarze Konturlinien ein und bedient sich, ähnlich wie Max Beckmann, Mitteln der Abstraktion. Beide Künstler geben die Gegenständlichkeit jedoch nie völlig auf. Seit 1910 etablierte sich Giersing als Wortführer der jungen dänischen Maler, die 1915 in Kopenhagen die radikale Künstlergruppe Grønningen gründeten. Einige seiner damaligen Mitstreiter wie Emil Goldschmidt, Albert Naur oder Karl Isakson hielt Giersing in individuell gestalteten Porträts fest, die in Kiel gezeigt werden. Auch seine Frau Besse, die älteste Tochter des Malers Fritz Syberg, porträtierte er häufig. Auffällig ist, dass keines seiner Modelle jemals Blickkontakt mit dem Maler aufnimmt. In einer konzentrierten Auswahl von 16 Gemälden – darunter Porträts, Landschaften, Interieurs und Stillleben – in denen stellvertretend für das gesamte Œuvre des Künstlers die Farbe Schwarz eine wichtige Rolle spielt, stellt die Kunsthalle zu Kiel das Schaffen Giersings erstmals einem deutschen Publikum vor. Zeitgleich präsentiert die Kieler Kunsthalle eine monographische Gemälde-Ausstellung des jungen deutschen Malers Tim Eitel. Auch in dieser Schau stehen Gemälde mit alltäglichen, von der Farbe Schwarz dominierten Szenen im Mittelpunkt und eröffnen so einen spannenden deutsch-dänischen Dialog mit malerischen Mitteln.

Iwan Schischkin, Im russischen Wald, 1896, Kunsthalle zu Kiel
Iwan Schischkin, Im russischen Wald, 1896, Kunsthalle zu Kiel

Sieg über die Sonne
20. Juli – 7. September 2008

Als einziges Museum in Deutschland besitzt die Kunsthalle zu Kiel mit Gemälden und Zeichnungen u.a. von Ilja Repin, Michail Wrubel, Isaak Lewitan oder Iwan Schischkin eine hochkarätige Sammlung russischer Kunst des 19. Jahrhunderts. Auch das frühe 20. Jahrhundert ist mit Werken, etwa von Natalia Gontscharowa, Alexandra Povorina und El Lissitzky, wirkungsvoll vertreten. Die Kunsthalle zu Kiel präsentiert anlässlich des Themenschwerpunktes des diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festivals „russisch gestimmt“ erstmals eine hochkarätige Auswahl von diesen selten gezeigten Werken auf Papier.  Im Zentrum der 35 Exponate steht El Lissitzkys berühmtes Mappenwerk Sieg über die Sonne von 1923, das die gleichnamige Oper von Alexander Matjuschin futuristisch inszeniert. Statt Schauspielern und Sängern treten maschinenähnliche Figurinen auf, die radikal mit dem Naturalismus in der Portrait- und Landschaftsdarstellung der russischen Kunst des 19. Jahrhunderts brechen.  Gefördert durch den Landeskulturverband Schleswig-Holstein e.V.

Einladungskarte, Shaken not Stirred, Hamburg
Einladungskarte, Shaken not Stirred, Hamburg

SEE history 2008
Kreative Vision

20. Juli 2008 – Oktober 2009

Für die diesjährige SEE history-Folge wurden 13 renommierte internationale KünstlerInnen eingeladen, sich mit der Kieler Sammlung auseinnanderzusetzen. In einzigartiger Weise gibt sich die Kunsthalle experimentell und offen gegenüber künstlerischen Interventionen. Jede/r KünstlerIn wird einen Raum mit Sammlungsbestand in seiner eigenen Sprache organisieren und zu Teil mit eigenen Werken beantworten. Die KünstlerInnen stammen vorwiegend aus außer- und osteuropäischen Ländern. Ihre Interpretation der Bestände der Sammlung soll die Entwicklung einer über 150 Jahre gewachsenen Sammlung nach europäischem Standard mit aktuellen globalen Sichtweisen beleuchten.

Katalogcover
Katalogcover

True Romance
Allegorien der Liebe von der Renaissance bis heute

31. Mai – 7. September 2008

Wenn wir von Liebe sprechen, aktivieren wir in unserem Kopf sofort eine Fülle von Ideal- und Gegenbildern. Wir denken an glühende Verehrung und erkaltete Gefühle, an das Herz, das in Flammen steht oder zu Eis erstarrt ist. Auf Wolken zu wandeln oder in Abgründe der Verzweiflung zu stürzen: Diese jederzeit abrufbaren Metaphern der Liebe sind keine Erfindungen der Werbe- und Filmindustrie. Ihre Wurzeln reichen weit zurück zu den Anfängen der neuzeitlichen abendländischen Kultur.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind Sonette des italienischen Poeten Petrarca, die im 15. und 16. Jahrhundert eine Lawine der Liebesdichtung in Europa auslösten. Erstmals wurde die Liebe in den Rang künstlerischer Inspiration und Diktion erhoben und seither in der Kunst immer neu zum Ausdruck gebracht. Verwandtschaften und Referenzen zwischen historischen Werken und gegenwärtiger Kunstpraxis sind allgegenwärtig: auch die Liebesreflexionen der aktuellen Kunst handeln oft von unerfüllter Sehnsucht oder massenmedialer Streuung und Kommerzialisierung der Liebe. Der Verlust des Ideals rückt hier ins Zentrum – und doch lebt das Liebeslob in alten und neuen Formen fort. Was bleibt, ist die Endlosigkeit der Liebe, die über die ganze sinnliche Welt triumphiert. Als Quelle individuellen Glücks schreibt sich diese dauerhaft in das Leben und zugleich offen, verhüllend und auch idealisierend in die Kunst ein. Die Ausstellung True Romance schreibt epochen- und medienübergreifend eine Geschichte der Darstellung der Liebe in der bildenden Kunst. Ausgehend von der Antikenrezeption der Renaissance über Liebes-Bilder zwischen Barock und Moderne, Inszenierungen und Abgesängen der Liebe in der Pop-, Aktions- und Konzeptkunst bis hin zu den Allegorien der Liebe im aktuellen Kunstgeschehen, untersucht die Schau die bildhafte Entwicklung des großen Gefühls in eindrucksvoller Weise.

In Kooperation mit der Kunsthalle Wien und dem Museum Villa Stuck, München.

Katalogcover
Katalogcover

Hans Hartung
Spontanes Kalkül

15. März – 18. Mai 2008

Wie ist eine Malerei zu verstehen, die unter den paradoxen Vorgaben von Spontaneität und Kalkül entsteht? Hans Hartung hat lange vorgegeben, dass seine gestischen Bilder in direkter Aktion auf der Leinwand als unmittelbarer Ausdruck von Emotionen entstanden seien. In Wirklichkeit hat Hartung bis 1960 seine Gemälde durch Zeichnungen altmeisterlich exakt vorbereitet. Hans Hartung. Spontanes Kalkül thematisiert erstmals den Zusammenhang von Hartungs ausdrucksvoller Formensprache in der Malerei und seiner Meisterschaft in der Zeichnung, indem sie vorbereitende Skizzen zu den Gemälden vorstellt. Rund 50 Gemälde, 60 Zeichnungen, 50 Fotografien und die einzige erhaltene Skulptur ermöglichen einen repräsentativen Überblick auf Hartungs in mehr als 60 Jahren künstlerischer Tätigkeit entstandenes Œuvre und zeigen bisher unbekannte Facetten auf.

In Leipzig, Basel und Dresden aufgewachsen und an der Leipziger Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe sowie der Dresdner Hochschule für Bildende Künste ausgebildet, zog es Hartung in den 1920er Jahren erstmals nach Frankreich, wo er in Paris sein Studium fortsetzte. Hier lebte er inmitten der künstlerischen Avantgarde seiner Zeit. 1946 wurde er französischer Staatsbürger und ließ sich 1973 in Antibes nieder, wo 1994 die Hans Hartung und Anna-Eva Bergman Stiftung gegründet wurde. Dem Reichtum dieses Archivs, das dem Wunsch der beiden Künstler entsprechend eingerichtet wurde, ist die umfassende Darstellung des Schaffens Hans Hartungs zu verdanken.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Hans Hartung und Anna-Eva Bergman Stiftung in Antibes und dem Museum der bildenden Künste in Leipzig.

Collection Videos & Films
Isabelle & Jean-Conrad Lemaitre

19. Januar – 2. März 2008

Die Sammlung Isabelle und Jean-Conrad Lemaitre zählt zu den bedeutenden Film- und Videokollektionen internationaler zeitgenössischer Künstler in Europa. Die Kunsthalle zu Kiel zeigt erstmals in Deutschland eine Auswahl von 20 Werken. Neben gefeierten Stars wie Tacita Dean, Mark Wallinger und Anri Sala sind in der Sammlung auch junge, bislang weniger bekannte Talente wie Emily Jacir, Sigalit Landau und Keren Cytter vertreten. Die Werke der Kollektion kreisen in eindringlicher Weise um soziopolitische Fragen, widmen sich aber auch dem alltäglichen Leben. Da jede Arbeit die Handschrift der jeweiligen Künstlerpersönlichkeit trägt, bietet die Sammlung ein anschauliches Panorama zeitgenössischer Videokunst seit den 1990er Jahren. Isabelle und Jean-Conrad Lemaitre begannen in den 1980er Jahren, Kunst zu sammeln. Seit 1997 gilt der Fokus ihres Interesses der Videokunst, die sich ab den 1960er Jahren als künstlerisches Medium zu etablieren begann. 2007 haben die Sammler einen Preis zur Förderung junger Videokünstler ins Leben gerufen. Isabelle und Jean-Conrad Lemaitre begannen in den 1980er Jahren, Kunst zu sammeln. Seit 1997 gilt der Fokus ihres Interesses der Videokunst, die sich ab den 1960er Jahren als künstlerisches Medium zu etablieren begann. 2007 haben die Sammler einen Preis zur Förderung junger Videokünstler ins Leben gerufen.

Jennifer Allora & Guillermo Calzadilla, Returning a sound, 2004
Yael Bartana, Kings of the Hill, 2003
Sebastien Caillat, Histoire sans gravite, 2006
Keren Cytter, Dreamtalk, 2005
Tacita Dean, The Green Ray, 2001
Jeremy Deller, Memory Bucket, 2003
Sebastian Diaz Morales, The apocalyptic man, 2002
Yang Fudong, Backyard: Hey – The Sun is rising, 2001
Fabien Giraud, Straight edge, 2005
Dominique Gonzalez-Foerster, Riyo, 1999
Emily Jacir, Crossing Surda (a record of going to and from work), 2000/ 2002
Arthur Kleinjan, Skipping, 2004
Sigalit Landau, Barbed hula, 2002
Joao Onofre, Casting, 2000
de Rijke/ de Rooij, Junks, 1994
Anri Sala, Dejeuner avec Marubi, 1997
Zineb Sedira, Don’t Do To Her What You Did To Me, 1998/ 2000
Mariana Vassileva , Mirrorlight, 2004/ 2005
Mark Wallinger, Threshold to the kingdom, 2000
Artur Zmijewski, Lisa, 2003