Ausstellungen

Rückblick

Vergangene Ausstellungen 2010-2011

Bruno Mouron & Pascal Rostain, Jack Nicholson, 1996, aus der Serie Star Trash, Lambda Print auf Aluminium, 120 x 220 cm, Courtesy und Foto: Die Künstler © Bruno Mouron & Pascal Rostain
Bruno Mouron & Pascal Rostain, Jack Nicholson, 1996, aus der Serie Star Trash, Lambda Print auf Aluminium, 120 x 220 cm, Courtesy und Foto: Die Künstler © Bruno Mouron & Pascal Rostain

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen:
Anette Hüsch (Hrsg.):
From Trash to Treasure.
Vom Wert des Wertlosen in der Kunst,
Autorinnen: Anette Hüsch, Ulla Lenze,
Monika Wagner, Annette Weisner,
Dörte Zbikowski
Kerber Verlag, Bielefeld 2011, 216 Seiten,
99 Farbabbildungen/ 15 s/w Abbildungen,
ISBN 978-3-86678-626-4, € 24,-

From Trash To Treasure
Vom Wert des Wertlosen in der Kunst

5. November 2011 - 26. Februar 2012

Am Umgang mit dem Abfall lässt sich der Stand einer Zivilisation ablesen, so eine These Jacques Lacans. Wir sind sozusagen, was wir wegschmeißen. Die Abwertung eines Objektes, eines Themas oder einer Situation als Müll ist eine tradierte, in alle gesellschaftlichen Bereiche hineingreifende Strategie, die auch Teil unserer gegenwärtigen Alltagskultur ist: Im Zuge der letzten Finanzkrise wurde viel von Schrott-Papieren gesprochen, es ist von Müll-Teppichen auf den Meeren, von Weltraumschrott und Trash-Kultur die Rede. Dabei rücken zunehmend Recycling, Umwertung und Umnutzung dieser Hinterlassenschaften in den Fokus.

Die Ausstellung From Trash to Treasure. Vom Wert des Wertlosen in der Kunst zeigt eine Auswahl jener künstlerischen Strategien vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart, die sich mit dem politisch, wirtschaftlich und kulturell gleichermaßen brisanten Thema des Abfalls, seiner Definition, seinem Potential und seiner Verwertung auseinandersetzen.

Mit: Arman, Catherine Bertola, Joseph Beuys, Karsten Bott, George Brecht, Jürgen Brodwolf, Pavel Büchler, Peter Buggenhout, Christo, Tony Cragg, Jürgen Drescher, Marcel Duchamp, Sylvie Fleury, Gilbert & George, Natascha Sadr Haghighian, Tina Hauser, Jan Henderikse, Robert Jacobsen, Ray Johnson, Asger Jorn, Arthur Køpcke, Igor und Svetlana Kopystiansky, Korpys/Löffler, Alicja Kwade, Urs Lüthi, Gordon Matta Clark, Olaf Metzel, Robert Morris, Bruno Mouron & Pascal Rostain, Wilhelm Mundt, Vik Muniz, Raffael Rheinsberg, Gerd Rohling, Mimmo Rotella, Dieter Roth, Karin Sander, HA Schult, Kurt Schwitters, Daniel Spoerri, Johan Strandahl, Philip Topolovac, Jacques de la Villeglé, Wolf Vostell, Robert Watts, Diet Wiegman, Markus Zimmermann

Timm Ulrichs, Ohne Titel (Kanaldeckel 1962/64), 1970, Fotoschablonierte Serigraphie auf Karton, 60 x 60 cm, Kunsthalle zu Kiel, Graphische Sammlung © Timm Ulrichs Foto: Martin Frommhagen
Timm Ulrichs, Ohne Titel (Kanaldeckel 1962/64), 1970, Fotoschablonierte Serigraphie auf Karton, 60 x 60 cm, Kunsthalle zu Kiel, Graphische Sammlung © Timm Ulrichs Foto: Martin Frommhagen

Wertewandel
Material – Gegenstand – Motiv

5. November 2011 - 5. Februar 2012

Anfang des 20. Jahrhunderts erfährt der Materialbegriff eine weitreichende Umwertung, der eine völlig neue Auffassung des Kunstwerks zu Grunde liegt. Zuvor galt lange, dass das Ausgangsmaterial im Kunstwerk aufzugehen habe, also zu überwinden sei. So sieht zum Beispiel der gemalte Gegenstand dem realen dann zum Verwechseln ähnlich, wenn der Farbauftrag hinter dem Gegenstand, den er zeigt, zurücktritt. Mit Beginn der Moderne werden statt traditioneller künstlerischer Materialen wie Farbe, Marmor oder Papier nun auch Gegenstände aus der realen Lebenswelt in den künstlerischen Prozess eingebunden. Die Ready-mades Marcel Duchamps, die Materialmontagen Kurt Schwitters’ und die spätere Objektkunst der Nouveaux Réalistes aus den 1960er Jahren sind durch die Verwendung von Alltagsgegenständen geprägt.

Für die graphischen Künste war insbesondere das von den Kubisten entwickelte Papier collé, das papierene Klebebild, von Relevanz. Es bestand aus Realitätsfragmenten wie Zeitungspapier, Tapetenstücken oder Wachstuchresten. Der künstlerische Wert dieser realen Materialien liegt in ihrer doppelten Bedeutung: 
Sie sind zum einen formal-ästhetischer Bild­
bestandteil und zum anderen Bildzeichen, das auf eine außerbildliche Realität verweist. Die ausgestellten Werke dokumentieren, wie Verschlüsse von Weinflaschen, Papierreste, wertlose Geldscheine und sogar Kanaldeckel eine neue Motivwelt erschließen, in der Kunst und Realität eine neuartige Synthese eingehen.

Thorsten Brinkmann, Vasall van Bröckl, 2011, C-Print, 195 x 150 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2011(Ausschnitt) Gottfried Brockmann, Der Pfeifenbaum, 1929, 38,5 x 30 cm © Nachlass Gottfried Brockmann
Thorsten Brinkmann, Vasall van Bröckl, 2011, C-Print, 195 x 150 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2011(Ausschnitt) Gottfried Brockmann, Der Pfeifenbaum, 1929, 38,5 x 30 cm © Nachlass Gottfried Brockmann

Zur Ausstellung und Sammlungspräsentation ist folgende Publikation erschienen:
Anette Hüsch (Hrsg.): Los geht es wieder.
Die Sammlung 2011 & Extradosis.
Thorsten Brinkmann zu Gast in der Sammlung, Kiel 2011, 208 Seiten, 106 Abbildungen, € 28,-.
Der Künstler hat eine Auflage von 15 Katalogen signiert. Diese sind zum Preis von € 55,- erhältlich.

Extradosis
Thorsten Brinkmann zu Gast in der Sammlung

3. September 2011 - 22. Januar 2012

Ein wesentlicher Teil der künstlerischen Strategie Thorsten Brinkmanns zufälligen Aufeinandertreffens von Objekten und Kontexten zu sein – in seinen Fotografien ebenso wie in seinen Skulpturen und Rauminstallationen: Brinkmann inszeniert die eigene Person stets verhüllt und fotografiert auf diese Weise Selbstbildnisse, ohne Gesicht zu zeigen. Manche dieser fotografischen Selbstporträts finden sich auch in seinen Raumarrangements wieder, die visuell zwischen Wallpaper-Ästhetik, Biedermann und Karnevaleske liegen.

Brinkmann, der unter anderem bei Bernhard Blume in Hamburg studiert hat, beschäftigt sich immer wieder mit der Bedeutung der Malerei. Mit Fotografie und Installationskunst umkreist der Künstler dabei die Frage, wie Malerei inmitten und im Dialog mit allen Techniken, visuellen Phänomenen und künstlerischen Strategien zu definieren sei. Für seine Intervention in der diesjährigen Sammlungspräsentation greift Thorsten Brinkmann in Raumkonzepte innerhalb der diesjährigen Sammlungspräsentation ein und bespielt dabei alle Ebenen des dreidimensionalen Raumes.

Die Spuren, die er hinterlässt, vermitteln den Eindruck von offensichtlich, aber auch versteckt platzierten Hinweisen – immer hintersinnig mit humorvoller Ernsthaftigkeit.

Ausstellungsansicht Los geht es wieder! 2011, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011/ Kunsthalle zu Kiel
Ausstellungsansicht Los geht es wieder! 2011, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011/ Kunsthalle zu Kiel

Los geht es wieder!
Die Sammlung 2011

26. Februar 2011 - 22. Januar 2012

Los geht es wieder – das ist der Titel eines Werkes des dänischen Künstlers Asger Jorn, das der Stifterkreis der Kunsthalle 1979 für das Haus erworben hat. Los geht es wieder – das bezieht sich aber auch auf einen neuen Turnus, der mit der neuen Direktorin Dr. Anette Hüsch beginnt. Es ist ihr erster Blick auf die Sammlung, der nun für ein Jahr zu sehen sein wird.

Die Sammlungspräsentation zeichnet kunsthistorische Linien nach, bildet aber gleichzeitig auch jene zeitlichen Sprünge und Konfrontationen ab, die sich aus dem Charakter des Sammlungskonvoluts heraus ergeben.

Neben den bekannten Werken von Hans Arp, Neo Rauch, Daniel Richter, Emil Nolde oder Ilja Repin werden auch länger nicht gezeigte Werke der Sammlung wie beispielsweise Werke von Martin Assig, der Gruppe SPUR, von Irwin oder Nikolaus Koliusis gezeigt. Der Rundgang wird durch ausgewählte Videos aus der Sammlung ergänzt. Zu sehen sind Werke der 1970er und 1980er Jahre. Ein ganzer Raum ist dem Werk von Nan Hoover, einer Pionierin der Performance und Videokunst, gewidmet, zudem sind Videoarbeiten von Bill Viola, Jochen Gerz und Imi Knoebel zu sehen.

Louis Gurlitt, Jütische Landschaft, 1841, 42,5 x 61,5 cm © Kunsthalle zu Kiel, Graphische Sammlung
Louis Gurlitt, Jütische Landschaft, 1841, 42,5 x 61,5 cm © Kunsthalle zu Kiel, Graphische Sammlung


Louis Gurlitt
Die Landschaftszeichnungen aus der Graphischen Sammlung
der Kunsthalle zu Kiel

3. September - 16. Oktober 2011
 
Louis Gurlitt (1812–1897) gilt als bedeutender Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts. Er wurde geschult am Realismus der Kopenhagener Akademie und war beeinflusst von romantischen Kunstströmungen. Gurlitt schuf zahlreiche, in seiner Zeit überaus populäre Schilderungen unter anderem skandinavischer und südeuropäischer Landschaften. Sein besonderer Verdienst ist die Hinwendung zur schleswig-holsteinischen Landschaft, die der in Altona geborene Künstler als „ganz außerordentlich anziehend und reich“ empfand.

Die Graphische Sammlung präsentiert herausragende Zeichnungen und Studien von Louis Gurlitt aus ihrem Bestand. Ausgestellt werden rund 35 Zeichnungen und Studien aus unterschiedlichen Schaffensphasen des Künstlers.

Lina Kim & Michael Wesely, Universidade de Brasília, 2004 © Lina Kim & Michael Wesely / VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Lina Kim & Michael Wesely, Universidade de Brasília, 2004 © Lina Kim & Michael Wesely / VG Bild-Kunst, Bonn 2011

ARCHIV UTOPIA
Das Brasília-Projekt von Lina Kim und Michael Wesely
14. Mai - 28. August 2011

Die brasilianisch-koreanische Künstlerin Lina Kim und der deutsche Künstler Michael Wesely haben sich in den Jahren 2003 bis 2010 auf eine lange Reise in die Gegenwart und die Archivalien dieser Stadt begeben und den Mythos ebenso wie den realen Ort erkundet.

Die Ausstellung in der Kunsthalle zu Kiel zeigt das Ergebnis dieser künstlerischen Spurensuche: 32 großformatige Langzeitbelichtungen stehen 300 kleinformatigen, historischen Aufnahmen gegenüber, die die Künstler in unterschiedlichen Archiven sichteten, scannten und digital restaurierten. Neben den Kontrasten der beiden Bildwelten finden sich auch zahlreiche Verbindungen. Denn die Künstler spürten durch die Wahl der Perspektive der planerischen Idee der Stadt ebenso nach wie den sozialen Gegebenheiten eines sich permanent verändernden Ortes, der sowohl ein architektonisches Monument als auch dynamischer Lebensraum ist.

Kim und Wesely belichteten die einzelnen Aufnahmen jeweils von 6 bis18 Uhr. Diese lange Belichtungszeit hat zur Folge, dass häufig der Sonnenlauf als eine Art Linie am Himmel nachzuvollziehen ist. Die Bilder sind schattenlos. Nur selten lassen sich menschliche Silhouetten oder Fahrzeuge erkennen. Die großformatigen Bilder verstärken aufgrund ihrer diffusen Lichtverhältnisse den utopischen Charakter, der Brasília ohnehin eigen ist. Die Zusammenstellung von bisher überwiegend noch nie ausgestellten historischen Aufnahmen und den zeitgenössischen Werken von Kim und Wesely zeigt auch verschiedene Umgangsformen mit dem Medium Fotografie zwischen Dokumentation und künstlerischer Abstraktion, zwischen Bildgenese und Bildverfall und wirft Fragen nach dem kollektiven Bildgedächtnis sowie unserem Umgang mit visuellen Klischees auf.

Rembrandt Harmensz. van Rijn, Christus heilt die Kranken (sog. Hundertguldenblatt), um 1643-1649, Kunsthalle zu Kiel
Rembrandt Harmensz. van Rijn, Christus heilt die Kranken (sog. Hundertguldenblatt), um 1643-1649, Kunsthalle zu Kiel

Das Farbige, das Schwarze und das Dreidimensionale
14. Mai - 28. August 2011

Die Graphische Sammlung präsentiert anlässlich der Eröffnung ihrer neuen, ständigen Ausstellungsräume eine spannungsvolle Auswahl aus ihrem 40.000 Blatt umfassenden Bestand. Die Werke zeigen die vielfältigen Möglichkeiten der graphischen Künste, oszillierend zwischen Farbe, Linie und Raum: Tanzende Farbkreise bei Sonia Delaunay-Terk treten in einen Dialog mit streng-minimalistischen Werken Sol LeWitts. Der traditionelle Landschaftsraum des frühen 19. Jahrhunderts bei Johann Christian Reinhart erfährt eine Weiterführung im abstrakten Bildraum der Radierungen von François Morellet und den Reliefs Lucio Fontanas. Doch wohl kein Künstler hat die Tiefen und Höhen der Druckgraphik so ausgelotet wie Rembrandt in seinen meisterhaften Radierungen, von denen zwei in dieser Ausstellung gezeigt werden können. Sie werden flankiert von expressiv-surrealen Federzeichnungen Luceberts und einer Serie eindrucksvoller Landschaftsradierungen von Richard Serra.

 

Philips Wouwerman, Reisende bei der Rast vor tiefer Flusslandschaft, 1649, Öl auf Leinwand, 68 x 98,5 cm
Philips Wouwerman, Reisende bei der Rast vor tiefer Flusslandschaft, 1649, Öl auf Leinwand, 68 x 98,5 cm

Künstler (Auswahl): Jan van Goyen, Meindert Hobbema, Joos de Momper, Aert van der Neer, Jacob van Ruisdael, David Teniers d.J., Adam Willaerts, Philips Wouwerman, Cuno Amiet, Pierre Bonnard, Auguste Chabaud, Lovis Corinth, Camille Corot, Gustave Courbet, Karl Hofer, Ernst Josephson, Peder Severin Krøyer, Ludwig Meidner, Franz Radziwill, Odilon Redon, Ilja Repin, Christian Rohlfs, Kurt Schwitters, Max Slevogt, Chaim Soutine, Lesser Ury, Eberhard Viegener, Sven Drühl, Wolfram Ebersbach, Ger van Elk, Caroline von Grone, Howard Kanovitz, Roy Lichtenstein, Adolf Luther, Huang Meng, François Morellet, Constant Permeke, Shi-hua Qiu, Markus Raetz, Arnulf Rainer, Albrecht Schnider Kailiang Yang, Bernd und Hilla Becher, Margaret Bourke-White, Stan Douglas, Walker Evans, Thomas Florschuetz, Evelyn Hofer, André Kertész, Marcellvs L., Ingeborg Lüscher, Richard Misrach, Simone Nieweg, Dirk Reinartz, Albert Renger-Patzsch, Boris Savelev, Wolfgang Tillmans.

Weltsichten
Landschaft in der Kunst vom 17. bis zum 21. Jahrhundert

28. Januar - 25. April 2011

Der Begriff der Landschaft bezeichnet die ungestaltete wie gestaltete Umwelt; urbane Strukturen ebenso wie die Landschaft der Seele. Damit spiegelt die Sicht auf das, was Landschaft sein kann, immer auch eine Haltung zur Welt wider. Die Ausstellung Weltsichten. Landschaft in der Kunst vom 17. bis zum 21. Jahrhundert zeigt, inwiefern die Interpretation von Landschaft in der bildenden Kunst auch Ausdruck individuell oder kollektiv erfahrener Realitäten und Utopien, Ängste, Sehnsüchte und Traumata ist. In den rund 200 Kunstwerken sind Landschaftsauffassungen verschiedener Jahrhunderte und so unterschiedliche Medien wie Malerei, Fotografie und Video zu sehen. Manche Werke spiegeln differenziert gesellschafts- und kulturgeschichtliche Entwicklungen oder nehmen diese sogar vorweg. Andere sind träumerische, melancholische oder kritische Gegenbilder zur erlebten Realität. Im Lauf der Jahrhunderte vollziehen sich Wandlungen, Brüche und Umwälzungen. Insbesondere nach den Krisen- und Katastrophenerfahrungen des 20. Jahrhunderts und angesichts der globalen Bedrohung von Flora und Fauna scheint vielfach nur noch ein indirekter, gebrochener Blick auf Landschaft möglich. In der Vielfältigkeit der Werke, zeigt die Ausstellung, wie elementar die Auseinandersetzung mit der Landschaft für die bildende Kunst ist – von der holländischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts, in der sich ein zunehmendes Bewusstsein für die erlebte und erlebbare Umwelt abzeichnet, über die europäische Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts und die klassische Moderne bis zur aktuellen Gegenwart. Die etwa 200 hochkarätigen Gemälde, Foto- und Videoarbeiten der Ausstellung entstammen dem umfangreichen Werkkonvolut von Landschaftsbildern, das Alexander und Silke von Berswordt-Wallrabe zusammengetragen haben. Die Ausstellung wird nach Kiel noch in Wiesbaden, Chemnitz, Maastricht und Cottbus zu sehen sein. Langfristig ist geplant, diese Werke den Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum für Lehrzwecke zur Verfügung zu stellen.

Max Pechstein, Convent von Monterosso, 1924, Öl auf Leinwand, Kunsthalle zu Kiel
Max Pechstein, Convent von Monterosso, 1924, Öl auf Leinwand, Kunsthalle zu Kiel

Max Pechstein
Ein Expressionist aus Leidenschaft. Retrospektive

19. September 2010 - 9. Januar 2011

Max Pechstein (1881–1955) ist – neben Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff – ein Pionier des Expressionismus und der klassischen Moderne. Die Bedeutung seines künstlerischen Schaffens reicht jedoch weit über die berühmten Werke der gemeinsamen Brücke-Zeit hinaus. In Kürze erscheint das Werkverzeichnis der Ölgemälde Pechsteins. Davon profitiert unsere Retrospektive. Sie zeigt erstmals einen umfassenden Querschnitt durch das gesamte OEuvre Pechsteins, vom frühesten Bild, das er 1894 im Alter von 12 Jahren malte, bis zum letzten Gemälde aus dem Jahr 1954. Neben Werken der modernen Klassik werden selten oder nie öffentlich gezeigte Arbeiten aus sechs Jahrzehnten vorgestellt. Darüber hinaus werden neben Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Druckgraphik auch Pechsteins Auftragsarbeiten für Wandmalereien, Mosaiken und Glasfenster berücksichtigt. Der Bildhauer kommt ebenso zu Wort wie der Kunsthandwerker; illustrierte Briefe und Originaldokumente ergänzen das ungewöhnlich breite Spektrum. Max Pechstein, ehemaliger Dekorationsmalergeselle und Student an der Dresdner Kunstgewerbeschule, war auf der ständigen Suche nach Ursprünglichkeit, die sich insbesondere in seiner Südseereise 1914 äußert. Ausgeprägtes Naturgefühl und klarer Gestaltungswille prägen das vielfältige Lebenswerk dieses Protagonisten der klassischen Moderne, das ab 19. September in der Kunsthalle zu Kiel zu sehen ist.

Eine Ausstellung der Kunsthalle zu Kiel und des Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins in Kooperation mit dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg und dem Kunstmuseum Ahlen. In der Kunsthalle zu Kiel gefördert durch die Kulturstiftung der Länder; unterstützt von der Ernst von Siemens Kulturstiftung.

Theodore Lux Feininger, Brennendes Schiff II, 1932, Öl auf Leinwand, 43,5 x 70,2 cm, Privatbesitz
Theodore Lux Feininger, Brennendes Schiff II, 1932, Öl auf Leinwand, 43,5 x 70,2 cm, Privatbesitz

Welten-Segler
T. Lux Feininger zum 100. Geburtstag

5. Juni – 29. August 2010

Theodore Lux Feininger (*1910 in Berlin, lebt in Cambridge) ist der dritte und jüngste Sohn des berühmten Bauhausmeisters Lyonel Feininger. Die kulturell aufgeschlossene Atmosphäre des Elternhauses bietet die besten Voraussetzungen für seine Künstlerkarriere. 1926 beginnt er ein Studium am Bauhaus Dessau, besucht zunächst die Bühnenklasse von Oskar Schlemmer, beschäftigt sich mit Fotografie und findet 1929 zur Malerei. Seine koloristischen Konzepte überzeugen: „Eine düstere Farbigkeit webt den Hauch eines Geheimnisses in das Bild, welches wir nicht zu entschlüsseln vermögen, aber doch wahrnehmen. Diese Mehrsinnigkeit, das unergründbar Geheimnisvolle, was viele der Bilder wie ein Schleier überdeckt und weitere Bedeutungsebenen verbirgt, lässt an die Malerei des Magischen Realismus denken.“ (Ausstellungskatalog T. Lux Feininger. Von Dessau nach Amerika der Weg eines Bauhäuslers, Halle an der Saale, 1998). Die Kunsthalle zu Kiel würdigt das Lebenswerk von T. Lux Feininger 2010 – im Jahr seines hundertsten Geburtstags – mit einer umfassenden Werkschau. Feininger verlässt Deutschland bereits im Jahr 1932, um über Paris nach Amerika auszuwandern. Die dunklen Wolken seines Frühwerks sind Dokumente einer frühen Vorahnung der politischen Situation in Europa. Gegenständlich und ohne die künstlerische Dogmatik des Bauhauses zu adaptieren, geht Feininger seinen eigenen Weg. Auf der Leinwand schafft er eine Synthese von Abstraktion und Gegenständlichkeit, Gegenstand und Form, Realität und Magie. Leitthema bleibt der Raum als spannungsvolle Organisation der Farbmassen.

Susanne Paesler, o.T., 2006, Lack und Papier auf Aluminium, 200 x 200 cm, Museum Ludwig, Köln, Jens Ziehe, VG Bildkunst, Bonn 2010
Susanne Paesler, o.T., 2006, Lack und Papier auf Aluminium, 200 x 200 cm, Museum Ludwig, Köln, Jens Ziehe, VG Bildkunst, Bonn 2010

Susanne Paesler
Sinnlichkeit der Bilder

5. Juni - 29. August 2010

Um sich von persönlichen Vorlieben wie Lieblingsfarben zu lösen und Freiheit im malerischen Umgang zu gewinnen, kopierte Susanne Paesler zunächst geometrische Muster von Stoffen. Ambivalent wirkt dabei die Oberfläche, Lack auf Aluminium oder Holz. Auch wenn sie gestisch malte, hatte Paesler oft Gegenständliches in Erinnerung, etwa Blumen oder den Mondschein. Subtil und nuancenreich und immer ästhetisch wirken die Bilder ihrer Werkgruppen, die sie ebenso spannungsreich wie harmonisch gegeneinander setzt und miteinander verknüpft. In ihre Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Abstraktion hat Paesler auch "Muster" von Inkunabeln der Kunstgeschichte wie Jackson Pollock und Lucio Fontana in ihre sehr persönliche Ausdruckssprache übertragen. Die Kieler Ausstellung bietet mit einer Auswahl von über 60 Gemälden eine Übersicht über die 15 Jahre stringenten Schaffens der früh verstorbenen Susanne Paesler (1963–2006) und legt ihre Vielfalt offen.
 

Albert Aereboe, Der Einsiedler, 1927 © Kunsthalle zu Kiel
Albert Aereboe, Der Einsiedler, 1927 © Kunsthalle zu Kiel

SEE history 2010 – Art & Science
31. Januar 2010 - 23. Januar 2011

Im Zusammenspiel mit der groß angelegten Ausstellung "Dopplereffekt. Bilder in Kunst und Wissenschaft" wurden für die SEE history-Folge 2010 Meereskundler und Mathematiker, Physiker und Philosophen, Biologen, Chemiker und andere Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität eingeladen, die Bestände der Kunsthalle zu Kiel neu zu ordnen, zu interpretieren und je einen Raum im Museum nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Ausgewählt waren Wissenschaftler/-innen, die überraschende Perspektiven jenseits von Verehrung und Kunstexpertise mit unbefangener Phantasie entwickeln und das Museum in einen lebendigen Ort der Auseinandersetzung zwischen Kunst und Wissenschaft verwandeln. Die Ausstellung strebte einen kreativen Dialog mit den vielfältigen Beständen der Universitätssammlungen an.

Christine Nguyen, Humming of a symphony (Ausschnitt), 2009
Christine Nguyen, Humming of a symphony (Ausschnitt), 2009

Dopplereffekt
Bilder in Kunst und Wissenschaft

31. Januar - 2. Mai 2010

Als führendes deutsches Universitätsmuseum ist die Kunsthalle zu Kiel in besonderem Maße in eine Debatte eingebunden, die Kunst und Wissenschaft in den Bann zieht: Der Frage nach dem Wesen und der Wirkung der Bilder. Bilder lassen Dinge sichtbar werden, die anders nicht der Anschauung zugänglich wären, als Idee oder Dokument, als komplexer Sachverhalt oder wissenschaftliche Theorie. Die Ausstellung spannt einen Bogen von der mechanischen und biowissenschaftlichen Erforschung des Menschen über die Erkundungen seines Lebensbereiches und das Eindringen in unsichtbare Welten, bis hin zur Visualisierung geistiger Konstrukte. Die Ausstellung »Dopplereffekt« greift in den aktuellen Bilddiskurs der Geistes- und Naturwissenschaftler ein und erforscht aus der Sicht des Bildes die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Wissenschaft in den vergangenen sechs Jahrhunderten. Im Zentrum steht dabei stets die betörende und gelegentlich verstörende Faszinationskraft der Bilder als Ergebnis wissenschaftlicher Neugierde und Kreativität. Die Ausstellung ist durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert.