Ausstellungen

Rückblick

Vergangene Ausstellungen 2012–2013

Gottfried Brockmann, "Der Raucher (Selbstbildnis mit Pfeife)", 1928, Öl-Kasein auf Malpappe, 70 x 46 cm © Nachlass Gottfried Brockmann, Foto: Kunsthalle zu Kiel
Gottfried Brockmann, "Der Raucher (Selbstbildnis mit Pfeife)", 1928, Öl-Kasein auf Malpappe, 70 x 46 cm © Nachlass Gottfried Brockmann, Foto: Kunsthalle zu Kiel
"In was bin ich da reingerutscht"
Existenz und Identität in der Kunst
Die Sammlung 2013

16. März 2013 – Februar 2014
 
In was bin ich da reingerutscht? fragt der Künstler Ulrich Meister in seinem Werk Tagebuch. Dieser Satz gibt der Sammlungspräsentation 2013, die sich mit der Unsicherheit, der Freude und der Reflexion der eigenen Existenz beschäftigt, ihren Titel. Es geht um psychologische Momente des Seins, um Selbstbefragung und -erforschung mit sämtlichen Mitteln der Kunst – von intimen Tagebuchaufzeichnungen bis zur plakativen Inszenierung der eigenen Körperlichkeit. In was bin ich da reingerutscht? zeigt künstlerische Werke, die Ausdruck der Suche, der Selbstdarstellung, des Staunens und der Freude, aber auch der Verzweiflung am menschlichen Dasein an sich sind.
 
Künstler: Marina Abramović/Ulay, Albert Aereboe, Iwan Aiwasoffski, Ulrike Andresen, Elsbeth Arlt, Martin Assig, Stephan Balkenhol, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Abraham Bloemaert, Christian Boltanski, Victor Bonato, Gottfried Brockmann, Antonio Calderara, Equipo Cronica, Johan Christian Dahl, Rolf-Gunter Dienst,  Peter Doig, O.A. Dschekumina, Marlene Dumas, Harald Duwe, Ulrich Erben, Hans-Peter Feldmann, Lucio Fontana, Heinrich Füger, Bert Gerresheim, Franz Gertsch, Jochen Gerz, K.O. Götz, Hubertus Gojowczyk, Carl Andreas August Goos, Antony Gormley, Johannes Grützke, Erich Heckel, Jan Henderikse, Adolf von Hildebrand, Martin Honert, Teresa Hubbard / Alexander Birchler, Alexej von Jawlensky, Olav Christopher Jenssen, Carl Ludwig Jessen, Sven Johne, Aksel Jørgensen, Howard Kanovitz, Thomas Karp, Georg Friedrich Kersting, Ernst Ludwig Kirchner, Astrid Klein, Imi Knoebel, Hans Kock, Ilka Kollath, Iwan Kramskoi, Konstantin Kryshitzkij, Shigeko Kubota, Franz von Lenbach, Max Liebermann, Adolf Luther, Ulrich Meister, Mathieu Mercier, Peter Nagel, Kay H. Nebel, Siegfried Neuenhausen, Jacob Nöbbe, Emil Nolde, Rudolf Nonnenkamp, Marcel Odenbach, Roman Opalka, Orlan, Jürgen Ovens, Nam June Paik,  Stefan Panhans, Friedrich Preller, Neo Rauch, Ilja Repin, Raffael Rheinsberg, Gerhard Richter, Auguste Rodin, Gustav Seitz, O. Sitkow, Ben Schonzeit,  Dirk Skreber, Jan Styka, Edwin Scharff, Rudolf Schwarzkogler, Moritz von Schwind, Norbert Schwontkowski, Nikolaj Sinesubow, Renée Sintenis, Walter Stöhrer, Tal R, Jan Voss, Wolf Vostell, Franz Erhard Walther, Corinne Wasmuht, Hermann Werner.

 

David Shrigley „The Door“ 2007, Animation, Courtesy David Shrigley, Stephen Friedman Gallery, London, Anton Kern, New York, Galleri Nicolai Wallner, Copenhagen, und Yvon Lambert, Paris © 2013 David Shrigley
David Shrigley „The Door“ 2007, Animation, Courtesy David Shrigley, Stephen Friedman Gallery, London, Anton Kern, New York, Galleri Nicolai Wallner, Copenhagen, und Yvon Lambert, Paris © 2013 David Shrigley

Old School
Anachronismus in der zeitgenössischen Kunst

27. September 2013 – 26. Januar 2014

Seit einiger Zeit lässt sich in der Alltagskultur eine Hinwendung zu alten Techniken und zur visuellen Anmutung vergangener Zeiten beobachten. Der Old School-Zeitgeist ist in vielen Bereichen zu finden, unter anderem im Produktdesign und dem wieder erstarkten Interesse an veralteten Geräten und technischen Verfahren wie der Polaroid Aufnahme oder dem Kult um die Langspielschallplatte. In der bildenden Kunst werden Formen der Rückwendung von jeher mit sehr unterschiedlichen Intentionen genutzt.

Die Ausstellung Old School. Anachronismus in der zeitgenössischen Kunst verdeutlicht, wovon dieser Blick zurück geleitet wird und inwiefern gerade der Anachronismus viel über die Gegenwart und die Rolle des Bildes erzählt. Zwölf internationale, künstlerische Positionen werden präsentiert: Meisterliche Miniaturmalereien und traditionelle Farbherstellung spielen dabei ebenso eine Rolle wie der bewusste Einsatz längst überholter technischer Hilfsmittel und die Neuinterpretation künstlerischer Motive vergangener Zeiten.

Der Rückgriff auf alte Techniken und motivische Bildtraditionen ist jeweils Ausdruck einer künstlerischen Reaktion auf Themen der Gegenwart – beispielsweise auf das Verschwinden der Artenvielfalt, die Mechanismen und Formen individueller und gesellschaftlicher Erinnerung oder die Allgegenwärtigkeit elektronischer Navigationssysteme. In der künstlerischen Auseinandersetzung mit digitalen Medien reagieren Künstlerinnen und Künstler auf die gegenwärtigen Veränderungen von Kommunikationsstrukturen und Wissensvermittlung. Die gewählten Mittel muten zeitgenössisch an – und der Mensch erscheint als anachronistisches Wesen in einer digitalen Welt.

Künstler:
Anita Albus, Martin Assig, Andreas Bunte, Marcel van Eeden, Elger Esser, Larissa Fassler, Olaf Holzapfel, Ulrike Kuschel, Eva und Franco Mattes, Tadej Pogačar, David Shrigley, Taryn Simon und Aaron Swartz.

Johannes Grützke, Bildnis Jens Chrichtian Jensen mit Widmung vom 28.7.1991, Bleistift © VG Bild-Kunst Bonn 2013 (Detail)
Johannes Grützke, Bildnis Jens Chrichtian Jensen mit Widmung vom 28.7.1991, Bleistift © VG Bild-Kunst Bonn 2013 (Detail)

„Wozu das Ganze?“
Jens Christian Jensen: Zwei Jahrzehnte Kiel gewidmet

22. Juni - 20. Oktober 2013

Die Ausstellung, deren Titel einem Zitat aus dem Vorwort zum Katalog der Neuerwerbungen 1971-1974 von Jens Christian Jensen entnommen ist, würdigt den ersten, eigenständigen Direktor der Kunsthalle zu Kiel. Jensen etablierte in seiner Zeit als Direktor (1971 bis 1990) das Museum als internationale Wirkungsstätte für zeitgenössische Kunst und prägte die Sammlung der Kunsthalle wesentlich.
So ist seine Wirkungszeit vor allem auch durch seinen intensiven Kontakt zu jungen Künstlern bestimmt, die maßgeblich die deutsche und internationale Kunst nach 1945 bestimmt haben.

Die große Wertschätzung, die die Künstler Jensen entgegenbrachten, zeigt sich auch in sehr persönlichen Gesten. So schenkten viele Künstler dem Museumsdirektor eigene Publikationen, die mit Widmungen, Zeichnungen und Portraits für Jens Christian Jensen versehen waren und dadurch einmal mehr zu Künstlerbüchern wurden.

Die Ausstellung in den Räumen der Graphischen Sammlung zeigt eine Auswahl dieser Bücher, die Jensen seinerseits der Kunsthalle übergab. Die Publikationen werden gemeinsam mit jenen Werken der schenkenden Künstler präsentiert, die unter der Leitung Jensens erworben wurden.

HP Zimmer, "Malanggan", 1966-1968, Öl auf Leinwand, 190 x 140 cm, SPUR Archiv-Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2013 Foto: HP Zimmer Archiv
HP Zimmer, "Malanggan", 1966-1968, Öl auf Leinwand, 190 x 140 cm, SPUR Archiv-Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2013 Foto: HP Zimmer Archiv
Dritte Welle
Die Gruppe SPUR, der Pop und die Politik
25. Mai – 8. September 2013
 
„Wir sind die dritte Welle. Wir sind ein Meer von Wellen.“
 
Mit diesen Sätzen beschrieb sich die Künstlergruppe SPUR, eine der wichtigsten deutschen Künstlergruppen der Nachkriegszeit. Die Gruppe existierte nur wenige Jahre von 1957-1965. Von Anfang an suchte sie die Begegnung mit Gleichgesinnten im internationalen Kontext. In ihrem Manifest verstanden sich die SPUR-Künstler als jeweils „dritte Welle“ in der Tradition von Tachismus, Dada, Futurismus und Surrealismus.
 
Mit der Gruppe SPUR verbinden sich die Namen ihrer Gründer Lothar Fischer (1933-2004), Heimrad Prem (1934-1978), Helmut Sturm (1932-2008) und H. P. Zimmer (1936-1992), der Aufbruch deutscher Kunst nach 1945 und die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragen. Ihre Malerei spiegelt Aufruhr, und ihr 1958 publiziertes Manifest liest sich wie ein Aufstand gegen jeden und alles: gegen die Demokratie, gegen einen wie auch immer gearteten Wahrheitsbegriff, für Individualismus, für die Freiheit der Kunst und den Irrtum, den Kitsch und den Nihilismus. Die Gruppe äußerte sich entschieden gegen eine Verwissenschaftlichung der Kunst („Instrument der technischen Verblödung“), gegen die Abstraktion („hundertfach abgelutschtes Kaugummi“) und die Annäherung von Kunsthistorikern („machen aus jeder notwendigen geistigen Revolution ein intellektuelles Tischgespräch“).

Die Ausstellung in der Kunsthalle zu Kiel widmet sich der Gruppe SPUR in all ihren Facetten. Sie blickt zurück auf jene Kunst, mit der sich die SPUR-Künstler auseinandergesetzt haben und die sie geprägt hat, darunter Max Beckmann, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Emil Nolde, Max Ernst und Jackson Pollock. „Dritte Welle“ fragt nach dem, was das Spezifische der SPUR-Malerei ist, und zeigt das Verbindende ebenso wie das Individuelle der Künstler auf. Viele der Kunstwerke und Dokumente der Gruppe SPUR sind bisher noch nie oder nur selten ausgestellt gewesen. Die Schau zeichnet zudem den internationalen Kontext nach, in dem sich die Künstler bewegten und durch den sie zunächst Bestätigung fanden, der aber auch zu ihrem Ende führte: Der enorme Erfolg der amerikanische Pop-Art in Europa lenkte den Blick weg von jener experimentellen Malerei, die die Gruppe SPUR betrieben hatte. Die künstlerische wie gesellschaftskritische Dynamik der Gruppe bewahrt bis heute eine Aktualität, die von Gegenwartskünstlern aufgegriffen und weiterführend rezipiert wird, unter anderem in Positionen von Martin Kippenberger, Albert Oehlen, Daniel Richter und Jonathan Meese.

 

Künstler:

Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm, HP Zimmer

Karel Appel, Hans Matthäus Bachmayer, Thomas Baldischwyler, Giacomo Balla, Max Beckmann, Bernadette Corporation, Max Ernst, Guy Debord, Jean Dubuffet, Carsten Fock, Reinhold Heller, Gerhard Hoehme, Asger Jorn, Wassily Kandinsky, Martin Kippenberger, Paul Klee, Uwe Lausen, Lucebert, Malanggan, Jonathan Meese, Albert Mertz, Heino Naujoks, Emil Nolde, Albert Oehlen, Hans Platschek, Jackson Pollock, Daniel Richter, Helmut Rieger, Antoni Tàpies, Wols, Maurice Wyckaert

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen
 
Installationsansicht "Khaled al Khani - The Beginning" für den Schleswig-Holsteinischen Kunstverein, Kunsthalle zu Kiel 2013 © Khaled al Khani, Foto:Kunsthalle zu Kiel
Installationsansicht "Khaled al Khani - The Beginning" für den Schleswig-Holsteinischen Kunstverein, Kunsthalle zu Kiel 2013 © Khaled al Khani, Foto:Kunsthalle zu Kiel
Khaled al Khani - The Beginning
(Ausstellungsreihe des Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins)
16. März – 8. September 2013
 
Nach dem Auftakt der Ausstellungsreihe des Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins im vergangenen Jahr ist 2013 der syrische Maler Khaled al Khani (*1975) eingeladen einen Raum in der Kunsthalle zu bespielen. 
Der Künstler studierte Malerei in Hama und Damaskus. 2011 floh er ins Exil nach Paris. Khaled al Khanis expressive, figurative Malerei ist geprägt von existenziellen Erfahrungen, die er in seinem Heimatland gemacht hat.
Die Freiheit ist das große Thema dieses Künstlers. Für die Ausstellung in der Kunsthalle hat Khaled al Khani eigens eine Rauminstallation entworfen.
 
Franz Ackermann, Nonstop you (Teheran), 2012 mixed media on aludibond © Franz Ackermann  Foto: Galerie Meyer-Riegger, Berlin
Franz Ackermann, Nonstop you (Teheran), 2012 mixed media on aludibond © Franz Ackermann Foto: Galerie Meyer-Riegger, Berlin

Alles neu!
Neuerwerbungen aus der Graphischen Sammlung

9. Februar bis 9. Juni 2013

Die Graphische Sammlung präsentiert eine Auswahl der wichtigsten Neuerwerbungen von 2000 bis heute, die zentrale zeitgenössische Positionen widerspiegeln. Sämtliche Werke werden erstmals gezeigt.
Die Ausstellung dokumentiert, wie die Kunsthalle ihre Graphik-Bestände kontinuierlich erweitert. Denn nur eine Sammlung, die stetig wächst, ob durch Ankäufe, Schenkungen oder Dauerleihgaben, bleibt lebendig und kann auf diese Weise sowohl in die Zukunft als auch in die Geschichte der eigenen Bestände verweisen und aktuelles Kunstgeschehen mit historischen Positionen verbinden.


Künstler: Franz Ackermann, Henry Bond, Peter Doig, Nils Erik Gjerdevik, Carsten Höller, Lina Kim, Bjarne Melgaard, Pavel Pepperstein, Daniel Richter, Michael Wesely.

Ausstellungsansicht "ars viva-Preis 2012/13-Systeme" © Kunsthalle zu Kiel Foto: Helmut Kunde
Ausstellungsansicht "ars viva-Preis 2012/13-Systeme" © Kunsthalle zu Kiel Foto: Helmut Kunde

ars viva-Preis 2012/13 - Systeme
Simon Denny, Melvin Moti und
Özlem Günyol & Mustafa Kunt

9. Februar – 12. Mai 2013

Die Kunsthalle zu Kiel zeigt als zweite Station nach dem Neuen Museum in Nürnberg den ars viva-Preis 2012/13 des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e.V.. Der Preis wird seit 59 Jahren an junge, in Deutschland lebende Künstler verliehen. Die Auswahl der Künstler folgt in jedem Jahr einem anderen Themenschwerpunkt, der aktuelle Tendenzen in der zeitgenössischen Kunst aufgreift und grundlegende gesellschaftliche Fragestellungen in den Fokus rückt. Die Auslobung des Preises stand in diesem Jahr unter dem Begriff Systeme.
 
Ausgewählt wurden drei internationale künstlerische Positionen, die auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Suchbegriff in Zusammenhang stehen. Sei es wie bei dem neuseeländischen Künstler Simon Denny, der sich in seinen Arbeiten mit dem Umgang medial erzeugter, digitaler Bilder wie z.B. denen des Fernsehens widmet, oder Melvin Moti, der in Rotterdam und Berlin lebt und der die Funktionsweise der Informationsverarbeitung des menschlichen Gehirns untersucht. Die türkischstämmigen Künstler Özlem Günyol & Mustafa Kunt spüren den Strukturen gesellschaftlicher und politischer Systeme und der daraus resultierenden Identität nach.
Christian Rohlfs, "Allee im Belvedere von Weimar",  1899, Pastell auf Papier, 22,5 x 29 cm, Kunsthalle zu Kiel
Christian Rohlfs, "Allee im Belvedere von Weimar", 1899, Pastell auf Papier, 22,5 x 29 cm, Kunsthalle zu Kiel

Überwältigend kühn
Der ganze Rohlfs in Kiel

10. November 2012 – 24. Februar 2013

Anlässlich des 75. Todestages von Christian Rohlfs (22. Dezember 1849 – 8. Januar 1938) widmet sich die Kunsthalle zu Kiel in einer großen Werkschau diesem außergewöhnlichen Künstler. Der überwiegende Teil der ausgestellten Werke wird erstmalig zu sehen sein. Die Kunsthalle
zu Kiel besitzt den umfangreichsten musealen Bestand seiner Werke weltweit. Dank des großen Konvolutes an Zeichnungen, Aquarellen, Gemälden und Druckgraphiken wird die Ausstellung einen umfassenden Überblick über alle Schaffensphasen des Künstlers bieten. Die Schau
zeigt die große Materialvielfalt, mit der Christian Rohlfs arbeitete, seinen häufig ungewöhnlichen Einsatz unterschiedlicher technischer Verfahren sowie die große Lust am Spontanen und am Experiment.

Zur Ausstellung ist sowohl ein umfangreicher Bestandskatalog (gefördert durch die Ernst von Siemens Kunststiftung) erschienen als auch eine Broschüre

Albrecht Dürer, „Die apokalyptischen Reiter“, um 1497/98 Aus der Holzschnitt – Apokalypse, III. Figur © Kunsthalle zu Kiel
Albrecht Dürer, „Die apokalyptischen Reiter“, um 1497/98 Aus der Holzschnitt – Apokalypse, III. Figur © Kunsthalle zu Kiel
Albrecht Dürer
Meisterwerke aus der Graphischen Sammlung
25. August 2012 - 20. Januar 2013
 
Die Bedeutung der Kunst Albrecht Dürers ist in erster Linie in seinem druckgraphischen Werk begründet, das ihn schon zu Lebzeiten in ganz Europa berühmt machte. Den Holzschnitt erhob Dürer durch eine feine Linienführung und ausdifferenzierte Hell-Dunkel-Kontraste in den Rang eines eigenständigen Kunstwerks. Auch den Kupferstich führte er zu einer ungekannter Ausdruckskraft und befreite ihn von der bis dato üblichen Funktion der Reproduktion von Gemälden. Dürer war auch der erste Künstler, der seine Blätter prinzipiell mit seinem Monogramm versah und so seine Urheberschaft kennzeichnete. Die Graphische Sammlung zeigt unter anderem die bedeutendsten Blätter der berühmten Apokalypse, mit der Dürer 1498 seinen Ruhm begründete. Aus der Folge der „Meisterstiche“ ist das Blatt „Der Heilige Hieronymus“ zu sehen. Auch können so berühmte Blätter wie das „Rhinoceros“ oder „Der heilige Eustachius“ präsentiert werden, die schönsten Blätter aus dem „Marienleben“, sowie Blätter aus der weniger bekannten Folge des „schlechten Holswerks“, die durch einen einfacheren (schlichten) Bildaufbau bestimmt sind.
Olle Bærtling, Ardilki, 1963, Öl auf Leinwand, 97 x 195 cm, Foto: Kunsthalle zu Kiel © VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Olle Bærtling, Ardilki, 1963, Öl auf Leinwand, 97 x 195 cm, Foto: Kunsthalle zu Kiel © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Spannung, Schwebe, Gleichgewicht
Reiner Ruthenbeck, Olle Bӕrtling, Sigurdur Gudmundsson u.a.

6. Juni 2012 – 20. Januar 2013

Die Skulptur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat vielerlei Ansätze: Überführung der Figuration in Abstraktion, Objektqualitäten oder architektonische bzw. installative Raumbezüge. Die Strategien zur Selbstbehauptung im Raum können in der Erzeugung von Spannungselementen, im Versetzen schwerer Skulpturen in einen Schwebezustand oder im Ausloten eines – stabilen bis labilen – Gleichgewichts bestehen.

Mit: Josef Albers, Frank Badur, Olle Bærtling, Ulrich Behl, Andreas Brandt, Antonio Calderara, Raimund Girke, Sigurdur Gudmundsson, Edgar Gutbub, Ernst Hermanns, Rainer Jochims, Richard Paul Lohse, Max H. Mahlmann, Mathieu Mercier, Gudrun Piper, Reiner Ruthenbeck, Jan Schoonhoven, Henryk Stażewski und Alf Schuler.

Erik Kessels 24 hrs in photos, 2011 1 Million aus dem Netz geladene Fotografien Maße variabel Besitz des Künstlers © Erik Kessels Foto: Jeroen Bijl
Erik Kessels 24 hrs in photos, 2011 1 Million aus dem Netz geladene Fotografien Maße variabel Besitz des Künstlers © Erik Kessels Foto: Jeroen Bijl

Von Sinnen
Wahrnehmung in der zeitgenössischen Kunst

14. Juli - 21. Oktober 2012
 

Wie riecht, schmeckt, hört und fühlt sich Kunst an? Die etablierten Verhaltensregeln für den Besuch von Ausstellungsräumen zumal von musealen, sind zunächst einmal auf das Schauen und inzwischen auch auf das Hören, nicht jedoch auf das Riechen, Schmecken und taktile Fühlen ausgerichtet.
Die zum Teil raumgreifenden Werke der aktuellen Sonderausstellung der Kunsthalle stehen alle im Kontext der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Sinnen und machen diese erlebbar. Die Schau widmet sich den Fragen, welche Rolle unsere körperlichen Navigationssysteme in der Gegenwartskunst spielen, inwiefern die sinnliche Erfahrung einen eigenen künstlerischen Wert darstellt und diese über ein bloß hedonistisches Erleben hinausgeht. Auch der sechste Sinn, die unterbewusste Wahrnehmung und die 12 Sinne in der anthroposophischen Lehre werden thematisiert.

Die spektakuläre Installation von Erik Kessels setzt auf visuelle Überwältigung. Kessels hat rund 1 Mio. öffentlich zugängliche Bilder von der Internetplattform flickr heruntergeladen und hunderttausende davon förmlich in den Ausstellungsraum geschüttet. Der Besucher watet durch ganze Berge von Fotoabzügen. Der Künstler stellt in 24 hrs in photos das heutige Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit aus und macht die Bilderflut der Gegenwart buchstäblich begreifbar. Heribert Friedl hat eine Geruchsinstallation auf die Wand gemalt, die nur wenig zu sehen, dafür umso deutlicher zu riechen ist. Forest (Klein Elmeloo) bezieht sich olfaktorisch auf den einstmals begrünten Ort, auf dem heute die Kunsthalle steht. Sonja Alhäusers eigens für die Kunsthalle entworfene Installation Ausschnitt besteht aus verzehrbaren, süßen Nahrungsmitteln wie Marzipan und Schokolade. Die Künstlerin führt den Besucher in Versuchung, das künstlerisch gesetzte Werk durch dessen direkte und wortwörtliche Einverleibung nach und nach zu zerstören. Auch Via Lewandowsky stellt keine übliche museale Situation her: In einem leeren Raum ist lediglich das Summen einer Fliege zu hören. Die rein akustisch wahrnehmbare Bewegung im Raum wirft den Betrachter auf seine Vorstellungskraft zurück. Unterhaltungsfaktor, Aktion und Zurschaustellung - Vadim Fishkin adressiert in seiner Installation das Publikum sehr direkt. Seine Snow_Show besetzt alle Sinne und greift Unterhaltungsformate jenseits musealer Repräsentationstechniken auf, um den Besucher selbst zum Anschauungsobjekt zu erklären.

Neben diesen raumgreifenden Installationen präsentiert die Ausstellung Tafelbilder, Objekte und Videoinstallationen – unter anderem von Carsten Nicolai, Tim Eitel, Louise Bourgeois und Bill Viola, die die einzelnen Sinne auf höchst verschiedene Weise ins Bild setzen. Sämtliche Werke der Ausstellung ermöglichen sowohl einen sinnlichen wie auch intellektuellen Zugang. Denn mit jedem Sinn, der direkt adressiert wird, entsteht ein Assoziationsraum, der weitere Sinne miteinschließt:In der Konzentration auf diese Prozesse stellt Von Sinnen auch einen Kommentar zur Welt der Gegenwart dar, in der die Schnelligkeit und Komplexität des medialen Informationsaustausches sowie die Virtualität sozialer Begegnungen großen Einfluss auf die Konditionierung der menschlichen Wahrnehmung haben, auf Aufmerksamkeitsspannen und die individuelle Intuition.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen

Ludwig Dettmann, „Frauen mit einem Kind am Strand“ (Ausschnitt) 1894, Vermächtnis Prof. Dr. Albert Hänel, Kiel 1918
Ludwig Dettmann, „Frauen mit einem Kind am Strand“ (Ausschnitt) 1894, Vermächtnis Prof. Dr. Albert Hänel, Kiel 1918

Gute Gesellschaft
Lotte Hegewisch und das Mäzenatentum. Von Georg Friedrich Kersting bis Gerhard Richter
18. Februar - 24. Juni 2012

Wer sammelt und warum? Wie lässt sich das Verhältnis zwischen privatem Mäzenatentum und einer öffentlichen Institution historisch fassen und zukünftig denken? Anlässlich des 190. Geburtstags der Stifterin der Kunsthalle, Charlotte Hegewisch, widmet sich die Ausstellung "Gute Gesellschaft: Lotte Hegewisch und das Mäzenatentum. Von Georg Friedrich Kersting bis Gerhard Richter" der Geschichte des Hauses aus dem Blickwinkel des bürgerlichen Engagements. Werkauswahl und Hängung der rund 250 vertretenen Werke u. a. von Albrecht Dürer, Rembrandt, Ilja Repin, Max Liebermann, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Marlene Dumas und Tal R sowie historische Fotografien geben Aufschluss über die Beweggründe des Sammelns. Dabei wird auch das persönliche und politische Umfeld der Lotte Hegewisch, die Geschichte des Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins und die kulturelle, politische und soziale Situation Schleswig- Holsteins in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts thematisiert. Die in Kiel geborene und heute in Berlin lebende Künstlerin Wiebke Siem hat eigens für die Ausstellung eine raumgreifende, surrealistisch anmutende Installation geschaffen, die Assoziationen an gesellschaftliche Normen und die Anfänge der modernen Formensprache hervorruft. Einen Schwerpunkt bilden darüber hinaus einzelne Sammlungskonvolute, darunter von vier Sammlerpersönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts - Albert Hänel, Ludwig Gustav Heinzelmann, Carl August Petersen und Paul Wassily -, die für die Kieler Sammlung zentral sind, sowie eine holsteinische Privatsammlung, die noch nicht abgeschlossen ist und deren Initiator ungenannt bleiben möchte. Die Ausstellung Gute Gesellschaft berührt damit auch das aktuelle Verhältnis von öffentlichen und privaten Sammlungen, Museen und Geldmitteln. Antworten von Museumsdirektoren, Kunstsammlern, Kuratoren und Galeristen auf die Frage, wie sich dieses Verhältnis zukünftig entwickeln wird, sind daher ebenfalls Teil der Ausstellung. 

 

Muthesius Preis für Kunst, Raum und Design
16. Mai - 28. Mai 2012

 
Die Muthesius Gesellschaft, der Förderverein der Muthesius Kunsthochschule, hat zum zweiten Mal den Muthesius Preis für Kunst, Raum und Design ausgeschrieben. Er richtet sich an Absolventinnen und Absolventen der Muthesius Kunsthochschule, die während der letzten zwei Jahre ihren Abschluss gemacht haben. Ausgezeichnet werden qualitativ herausragende, zeitgenössische und innovative gestalterische wie künstlerische Leistungen. Der Preis ist mit jeweils dreitausend Euro in den Kategorien Kunst, Raum und Design dotiert. Aus den 60 eingereichten Bewerbungen haben zwei namhafte Juries Arbeiten ausgewählt, die in einer Ausstellung in der Kunsthalle zu Kiel vom 16. bis 28. Mai 2012 präsentiert werden.
Mit der Vergabe der Preise und der öffentlichen Präsentation will die Muthesius Gesellschaft die Leistungen und die Bedeutung der Muthesius Kunsthochschule herausstellen. Seit 2010 wird der alle zwei Jahre ausgeschriebene Kunstpreis für Absolventinnen und Absolventen der Muthesius Kunsthochschule von der Muthesius-Fördergesellschaft verliehen. Aus allen Bewerbungen wählt eine Vorjury jeweils sieben Arbeiten aus jedem Bereich aus, die dann in der Kunsthalle vorgestellt werden. Aus diesem Kreis sucht eine weitere, überregionale Jury die Preisträger bzw. Preisträgerinnen aus. Aber auch die öffentliche Meinung zählt: Neben dem eigentlichen Muthesius-Preis wurde auch ein Publikumspreis eingerichtet.
Ernst Barlach, Das Wiedersehen (Thomas und Christus), Bronze nach dem Gipsmodell von 1926, 47,8 x 19 x 12 cm, © Kunsthalle zu Kiel Foto: Martin Frommhagen
Ernst Barlach, Das Wiedersehen (Thomas und Christus), Bronze nach dem Gipsmodell von 1926, 47,8 x 19 x 12 cm, © Kunsthalle zu Kiel Foto: Martin Frommhagen

Die Sammlung I. Skulptur: Figur
20. März - 13. Mai 2012

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, stammen die Skulpturen der Kunsthalle zu Kiel aus dem 20. Jahrhundert. Von der Klassischen Moderne bis zur Nachkriegskunst sind sie zum größten Teil der Figuration verpflichtet - als Ganz- oder Halbfigur, Zweiergruppe und Akt, Torso und Porträtbüste. Konstruktive und abstrakte, objekthafte und installative Tendenzen erweitern den Kunst- und Gattungsbegriff, und manche Arbeiten erschließen sich nur über den Titel. Als Material dominiert zunächst Bronze; Stein, Gips und keramische Techniken kommen hinzu, später auch Holz, Blei oder verschiedene Mischtechniken. Vom Abbildhaften bis zu Idealtypischem, vom Zitat bis zum materiellen Herstellungsprozess, vom Sicht- und Nachvollziehbaren bis zu visuellen Verweigerungsstrategien reicht die formale und thematische Skala der Bildhauerarbeiten und Objekte.

Chiharu Shiota, Stairway, 2012, Rauminstallation Schleswig-Holsteinischer Kunstverein in der Kunsthalle zu Kiel, Foto: Sunhi Mang, © VG Bild Kunst, Bonn 2012
Chiharu Shiota, Stairway, 2012, Rauminstallation Schleswig-Holsteinischer Kunstverein in der Kunsthalle zu Kiel, Foto: Sunhi Mang, © VG Bild Kunst, Bonn 2012

Chiharu Shiota
(Ausstellungsreihe des Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins)

14. Januar – 29. April 2012

Den Auftakt zu der ab 2012 regelmäßig stattfindenden Ausstellung des Kunstvereins bildet eine eigens für den Kunstverein konzipierte Rauminstallation. Chiharu Shiota arbeitet mit Performances, ist dem Theater verbunden, zeichnet und entwirft raumgreifende Installationen. Wesentliches Merkmal ihrer Werke ist der Einsatz von schwarzen Baumwollfäden, in die sie u. a. Tische, Kleider, ein Klavier oder auch sich selbst einwebt. Das so entstandene Netz aus schwarzen Linien wirkt wie eine Zeichnung im Raum. Es entstehen Assoziationen zu Lebenslinien, Kommunikation oder Erinnerung.

Der Raum wird gleichsam zur Bühne. In dieser speziellen Art der Körper- und Raumwahrnehmung, sowie im performativen Akt ihrer Werke spiegelt sich auch die Prägung Ihrer Lehrerinnen Rebecca Horn und Marina Abramović wieder. Für die Ausstellung in der Kunsthalle zu Kiel hat Chiharu Shiota eine neue, raumfüllende Installation entwickelt, die wie ihre anderen Arbeiten temporär, das heißt nur für die Dauer der Ausstellung zu sehen sein wird.