Publikationen

Hrsg.: Andreas Schwarz, Kerstin Schwarz, Dirk Luckow und Christian Witte
Texte: Andreas Schwarz, Interview mit Helmut Kunde und Joachim Thode
60 Seiten
60 Farb- und s/w-Abb.
ISBN 978-3-00-021288-8

Katalog vergriffen

Kein Kiel

Post-Punk & No Wave. Musikszene in Kiel von 1977 bis 1982

Angestoßen durch die englische Punkbewegung, ermutigt und inspiriert durch die Szenen in Hamburg, Berlin und Düsseldorf, begann ab etwa 1977 eine Gruppe "Ungezogener" in Kiel ihren eigenen musikalischen Weg zu gehen. Punk traf auf Avantgarde, Rockabilly auf New Wave, No Wave auf Glam, handgemacht auf elektronisch, Amateure auf Profis, politisch auf unpolitisch. Die Ausstellung dokumentiert Entstehung und Entwicklung der alternativen Musikszene in Kiel und vermittelt das Lebensgefühl der Protagonisten. "Kein Kiel" war der Titel des ersten Kassettensamplers Kieler Bands von 1980. Dass man sich hierbei direkt auf den von Brian Eno produzierten Kultsampler "No New York" bezog, verdeutlicht sowohl Selbstironie als auch Selbstbewusstsein der Szene. Es ist spannend zu sehen, was in dieser Phase zwischen 1977-1982 möglich war und mit welcher vitalen Experimentierlust und fröhlichen Selbstinszenierung man zu Werke ging.

"Kein Kiel" zeichnet mit Hilfe zahlreicher Exponate, Raum- und Klanginstallationen ein atmosphärisches Portrait des Kieler "Untergrunds" der späten 70er- und frühen 80er-Jahre. Die Ausstellung erfasst stilgerecht die vielfältigen Ausprägungen dieser Geräuschkultur aus Musik, Zeichen und Sprache. Den fotografischen Part der Ausstellung bestreitet zu einem großen Teil der Fotograf Helmut Kunde, der in dieser Zeit ein Chronist der Szene war. Zusätzlich werden aus der Sammlung der Kunsthalle zu Kiel von Joachim Thode die Fotozyklen "Kulturlandschaften", "Kieler Stadtansichten" und "Kieler Bunker" präsentiert, die die Stimmung in Kiel Ende der siebziger Jahre widerspiegeln.

Der Katalog zur Ausstellung enthält eine Audio-CD mit den Originalaufnahmen von 15 Kieler Bands aus den Jahren 1978–1982. Von der Kieler Proto-Punkband "No Horizon", die 1979 die erste Schallplatte vorlegte, über "No More", deren Song "Suicide Commando" mittlerweile ein internationaler Underground-Klassiker ist, bis hin zum Artschool-Punk von "Fun Funeral" und den Experimentalmusiken von "Devantgarde" und "D-Mark" wird die gesamte Bandbreite der Szene deutlich.