Publikationen

Hrsg.: Dirk Luckow und Gunda Lyken
Text: Wiebke Steinmetz, Gunda Luyken und Erik Steffensen
103 Seiten
45 Farb- und s/w-Abb.
ISBN 978-3-937208-19-0

€ 15,-

Harald Giersing

Protagonist der dänischen Avantgarde

Harald Giersing (1881–1927) ist einer der bedeutendsten dänischen Maler der klassischen Moderne. Seine Werke zeichnen sich durch eine kühne, malerische Auffassung und eine eigenwillige Farbgebung aus. Während seines Paris-aufenthaltes im Jahr 1906 kommt er mit Gemälden von Paul Cézanne, Henri Matisse und Paul Gauguin in Berührung. Diese Begegnung markiert den Wendepunkt im Schaffen Giersings. Fortan löst er sich von seiner akademischen Ausbildung und gestaltet nach seiner Rückkehr eigenwillige Landschaftsdarstellungen sowie Porträts seiner Künstlerfreunde und Verwandten. Der Farbe Schwarz kommt in vielen seiner Gemälde eine besondere Bedeutung zu. Giersings Farbexperimente schließen auch den Farbauftrag mit ein, der zwischen dick, mit Spachtel aufgetragen oder aber extrem sparsam, auf ungrundiertem Malgrund schwankt. Häufig setzt der Künstler schwarze Konturlinien ein und bedient sich, ähnlich wie Max Beckmann, Mitteln der Abstraktion. Beide Künstler geben die Gegenständlichkeit jedoch nie völlig auf.
Seit 1910 etablierte sich Giersing als Wortführer der jungen dänischen Maler, die 1915 in Kopenhagen die radikale Künstlergruppe Grønningen gründeten. Einige seiner damaligen Mitstreiter wie Emil Goldschmidt, Albert Naur oder Karl Isakson hielt Giersing in individuell gestalteten Porträts fest, die in Kiel gezeigt werden. Auch seine Frau Besse, die älteste Tochter des Malers Fritz Syberg, porträtierte er häufig. Auffällig ist, dass keines seiner Modelle jemals Blickkontakt mit dem Maler aufnimmt.

In einer konzentrierten Auswahl von 16 Gemälden – darunter Porträts, Landschaften, Interieurs und Stillleben – in denen stellvertretend für das gesamte Œuvre des Künstlers die Farbe Schwarz eine wichtige Rolle spielt, stellt die Kunsthalle zu Kiel das Schaffen Giersings erstmals einem deutschen Publikum vor.