Vortrag
Lesung und Vortrag von Kateryna Mishchenko
Mobile Denkräume - Künstlerisches Handeln in der gegenwärtigen Ukraine
04. Juli 2026 / 18:00 - 20:00 Uhr
Der russische Angriffskrieg hat die ukrainische Gesellschaft tiefgreifend verändert und auch die Kunstszene in unterschiedliche Formen der Flucht, Migration und Neuverortung gezwungen. Die Wege von Einzelnen und künstlerischen Gemeinschaften sind dabei vielfältig – ebenso wie die Strategien, mit denen sie auf Krieg und Gewalt reagieren. Diese reichen von der Mobilisierung der Armee und zivilgesellschaftlichem Engagement über die Dokumentation von Kriegsverbrechen bis hin zu partizipativen Projekten und Formaten der Kulturdiplomatie.
In diesen Praktiken entstehen „mobile Denkräume“: Kontexte, in denen Erfahrungen von Krieg, Verlust und Verschiebung reflektiert und beschrieben werden können.
Künstlerische Praktiken reagieren dabei nicht nur auf Zerstörung und Verlust, sondern schaffen Räume für Austausch, Erinnerung und Selbstverortung. Sie verbinden individuelle Erfahrungen mit kollektiven Erzählungen und tragen so dazu bei, Gegenwart zu deuten und Zukunftsperspektiven zu entwerfen. Im Vortrag stellt Kateryna Mishchenko eine Auswahl dieser künstlerischen Strategien vor und diskutiert ihre Bedeutung im Kontext des Krieges. Dabei liest sie auch aus ihrem Buch Geteilter Horizont. Die Zukunft der Ukraine.
Moderiert von Sarah Petschow, Geschäftsführung SHKV und Veranstaltungsprogramm im Auftrag der Kunsthalle zu Kiel.
Vita
Kateryna Mishchenko, geboren 1984 in Poltava, Ukraine, ist Verlegerin, Autorin, Übersetzerin und Kuratorin. Sie studierte Deutsche Philologie, Englisch und Weltliteratur an der Nationalen Linguistischen Universität Kyiw, wo sie auch als Dozentin tätig war. Danach arbeitete sie als Übersetzerin, unter anderem von literarischen und kulturtheoretischen Texten, und war Mitbegründerin und Herausgeberin von Prostory, einer Zeitschrift für Literatur, Kunst und Gesellschaftskritik. 2014 war sie Mitbegründerin von Medusa, einem unabhängigen ukrainischen Verlag für geisteswissenschaftliche Texte. Sie kuratiert Veranstaltungen an der Schnittstelle von Kunst und Politik und schreibt Essays. Heute lebt sie in Berlin, wo sie 2021 bis 2022 Fellow des Wissenschaftskollegs war, und arbeitet bei der Bundeszentrale für Politische Bildung. 2023 erschien Aus dem Nebel des Krieges. Die Gegenwart der Ukraine (herausgegeben mit Katharina Raabe) und 2025 Geteilter Horizont. Die Zukunft der Ukraine (ebenfalls herausgegeben mit Katharina Raabe).