#1 Pop-up Kunsthalle zu Kiel
Wagehe Raufi. Das geliehene Haus – Shell in Transition
23. Mai bis 31. August 2025
Im Glasvorbau der Kunsthalle zu Kiel zeigte die in Berlin lebende Künstlerin Wagehe Raufi (*1990) eine eigens vor Ort produzierte Videoinstallation. Grundlage bildete ihre Videoarbeit Ornamental Hermit, die 2022 für die Kunsthalle Willingshausen entstand. Darin bezieht ein Einsiedlerkrebs ein verlassenes Hirtenhaus – ein Gebäude, das jenem ähnelt, in dem die Künstlerin während ihres Aufenthalts in Willingshausen wohnte. Beim Versuch, einen Platz in dieser Umgebung zu finden, gerät der Einsiedler in einen Konflikt zwischen Aneignung, Abstoßung und Erschöpfung.
Im Kieler Teil der Videoarbeit begibt sich das Tier erneut auf Wanderschaft und entdeckt nun die verlassene Kunsthalle in Kiel. Die Architektur des Gebäudes und die Abwesenheit der ausgelagerten Kunstwerke lösen Erinnerungen und tastende Erkundungen aus. Als Alter Ego der Künstlerin verkörpert der Einsiedlerkrebs einen Suchenden – ohne Antennen, doch mit feinem Gespür für Unsicherheiten und einem unstillbaren Bewegungsdrang. Seine Unruhe steht sinnbildlich für die Lage der Kunst in einer Welt, in der ihre Schutzräume zunehmend schwinden.
Die Installation kombinierte computergenerierte Videobilder mit Field Recordings – Klangaufnahmen von Bewegungen, die Raufi im Gebäude selbst aufgenommen hat. Über Lautsprecher übertragen, ließen diese Geräusche das Museum vibrieren. Im Raum wuchsen skulpturale Objekte, die wie eine dichte, organisch wirkende Haut anmuteten. Sie verwoben Naturraum, geschlossene Kunsthalle, gläsernes Terrarium und digitale Bildwelt zu einem vielschichtigen Lebensraum.
Glasvorbau der Kunsthalle zu Kiel. Die Ausstellung war für die Außenansicht konzipiert und konnte 24/7 besichtigt werden.
Die Reihe Pop-up Kunsthalle zu Kiel zeigt während der sanierungsbedingten Schließung des Museums zeitgenössische künstlerische Positionen an unerwarteten Orten der Stadt Kiel.
Im öffentlichen Raum, in Zwischennutzungen oder als Gastspiele entstehen meist neue, auf den Ort bezogene Produktionen. Damit öffnet sich die geschlossene Kunsthalle der Stadtgesellschaft und lädt ein, Kunst im Alltag zu erleben.